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Die Show muss weitergehen

Nach dem Verbot von Hunderennen in Neuseeland müssen Hunde in Australien weiter rennen.

Windhunde aus Neuseeland sollen nun in Australien rennen.

Vor einem Monat begleitete ich in Großbritannien Tierschützer bei ihrem Protestmarch gegen Windhundrennen. Große Hoffnung setzten die Aktivisten auf das angekündigte Verbot in Neuseeland. Das ist nun in Kraft. Der Freude folgte Ernüchterung.

Kia ora!“ (wörtlich „Habe Leben/Gesundheit“) ist eine traditionelle Begrüßung der indigenen Maori in Neuseeland. Dieser Wunsch nach einem guten Leben in voller Gesundheit sollte nach dem Willen von Tierschützern ab dem 1. August 2026 auch für die ausgedienten Rennhunde gelten. Denn seit diesem Tag sind Windhundrennen in Neuseeland verboten.

Mehr als ein Jahrzehnt lang hatten Aktivisten für ein Verbot gekämpft. Rund 1.400 Rennhunde sind damit „arbeitslos“ geworden und sollen in ein liebevolles Zuhause vermittelt werden.

Kaum war das letzte Rennen im Land – auf der Hatrick Rennbahn in Whanganui – am 31 Juli 2026 vorbei, gab es jedoch für die Tierschützer die erste Ernüchterung. Ein Video des alteingesessenen Zeitungsunternehmens New Zealand Herald zeigt, wie 80 Rennhunde zu nachtschlafender Zeit von Christchurch in den australischen Bundesstaat Queensland geflogen werden, wo sie auf Wunsch ihrer Besitzer weiter Rennen laufen sollen. Ein zweiter Flug mit weiteren Windhunden folgt nur wenige Tage später. 156 Hunde seien insgesamt ausgeflogen worden, bestätigt Bridget Burke von Greyhound Racing New Zealand (GRNZ). Der Verband, der die kommerziellen Windhundrennen in Neuseeland organisierte, hat die Flüge finanziert. Laut eines TV-Berichts hatte der zuständige Minister von Queensland, Tim Mander, keine Ahnung von den Transporten.

Durch die Schließung der kommerziellen Windhundrennbranche in Neuseeland hätten mehr as 1.000 Menschen ihre Arbeitsplätze verloren“, hält GRNZ-Verbandsgeschäftsführer Edward Rennell den Kritikern entgegen. „Einige Trainer und Besitzer entschieden sich dafür, ihre Windhunde zu behalten, andere entschieden sich dafür, sie ins Ausland umzusiedeln oder sie ihren australischen Besitzern zurückzugeben.“

Jegliche Kritik an diesen Entscheidungen solle an die Regierung gerichtet werden, die diese Situation geschaffen habe, meint Rennell. Dass Besitzer und Trainer nach Australien umziehen könnten, sei dem Sonderausschuss des Parlaments bekannt gewesen, der keine Einwände erhoben hätte. Im Juni 2025 habe die Regierung zudem die Befugnisse der Monopolbehörde TAB New Zealand (TAB NZ) erweitert, die im öffentlichen Auftrag die Sportwetten im Land betreibt. Die erzielten Gewinne werden an die einheimische Rennsportindustrie und nationale Sportorganisationen ausgeschüttet, um diese zu fördern. Das Monopol, das bisher nur Wettbüros vor Ort betraf, gilt nun auch für den Online-Bereich. TAB NZ ist damit der einzige legale Anbieter für Sport- und Rennwetten im Internet für neuseeländische Staatsbürger. So werden nun auch diese Wettgewinne im Land gehalten. Edward Rennell wirft der Regierung daher in Bezug auf Hunderennen moralische Hybris vor. „Sie hat den Sport im eigenen Land verboten, gleichzeitig fördert sie weiterhin das Wetten auf mehr als 46.000 australische Windhundrennen pro Jahr – und profitiert davon.“

Für die Unterbringung der in Neuseeland verbleibenden Rennhunde in der Übergangsphase hat die Regierung die Greyhound Transition Agency (GRTA) eingerichtet. Die Agentur unterstützt auch Besitzer und Trainer während der Abwicklung finanziell. Die für diese Zwecke veranschlagten 60-Millionen-NZ$ kommen von TAB New Zealand. Davon geht die Summe ab, die der Windhund-Rennverband GRNZ für den Transport der 150 Hunde nach Queensland ausgegeben hat.

Die Tierschutzorganisationen in Australien sehen die Ereignisse in Neuseeland trotz aller Unwägbarkeiten als Hoffnungsschimmer. Am 1. August, als das Verbot dort in Kraft getreten ist, organisierten Aktivisten in Queensland eine Solidaritätskundgebung. Jennifer Howard, Abgeordnete der Labour-Partei aus Ipswich, Queensland, setzt sich für ein Verbot in ihrem Heimatstaat ein, obwohl die Labour-Partei Australiens sich hinter die Hunderennindustrie gestellt hat.

Mit Ausnahme der Hauptstadt Canberra sind kommerzielle Hunderennen in ganz Australien erlaubt. Lediglich der Bundesstaat Tasmanien hat bereits ein Verbot ab 2029 angekündigt. Rennverbände im übrigen Australien bekunden ihre Verbundenheit mit den Kollegen dort mit dem Slogan „Wir stehen an der Seite Tasmaniens“. Unter dieses Motto stellen sie häufig auch Rennen. Auf Facebook zeigt ein Post, wie bei einem solchen Rennen im Bundesstaat New South Wales am 9. August 2026 die Hündin Manila Shelby stürzt und trotz gebrochener Schulter, wie betäubt, weiterrennt. Nur fünf Tage später, am 14. August, bricht sich bei in Bendigo im Bundesstaat Victoria Potato Cakes ein Bein und wird noch auf der Rennbahn von dem anwesenden Tierarzt eingeschläfert. Der Rüde mit dem kurzen schwarzen Fell war noch nicht einmal zwei Jahre alt.

Potato Cakes ist der 45. Windhund, der bis dato im Jahr 2026 in Australien auf einer Rennstrecke getötet worden ist – davon 20 Hunde allein in Victoria.

Am 18. August folgt die nächste Tragödie: Tiggerlong Socks, gerade mal zwei Jahre alt, bricht sich bei einem Rennen in Wagga, New South Wales, sogar beide Beine. „Es handelte sich um offene Frakturen, das heißt, der Knochen war durch die Haut gebrochen“, schreibt die Koalition für den Schutz von Windhunden auf Facebook. Und fügt hinzu: Um die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen, habe der Windhund-Rennverband von New South Wales (GRNSW) das Rennvideo manipuliert. „Tiggerlong Socks verschwindet etwa bei Sekunde 29 aus dem Bild.“

Kylie Field, Direktorin der Windhund-Koalition in New South Wales, fordert daher, dass die Videos aller Rennen ungeschnitten veröffentlicht werden müssen.

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