Sind Hunderennen ein Sport oder Tierquälerei?

Am 24. Juli 1926 begann die Geschichte der kommerziellen Hunderennen in Großbritannien. Ein Jahrhundert später schwinden Besucherzahlen, die ethischen Bedenken wachsen. Tierschützer demonstrieren für ein Verbot.
Dass ich immer noch im englischen Oxfordshire bin, werde ich morgen dazu nutzen, ins rund drei Autostunden entfernte Manchester zu fahren Dorthin, wo vor einhundert Jahren ein Windhund namens Mistley – der Überlieferung nach hatte er ein rötliches Fell – im Belle Vu Stadion das allererste kommerzielle Hunderennen gewann. Die Veranstaltung markierte den Start von Hunderennen as Sport, bei denen die Hunde auf ovalen Bahnen einer mechanischen Hasenattrappe hinterherjagen, wie es zuvor nur in den Vereinigten Staaten bekannt war.
In Manchester und in London demonstrieren morgen, am 25 Juli, Tierschützer für ein Verbot dieser Hunderennen und dafür, dass die verbliebenen 18 Rennbahnen geschlossen werden. Zu Hochzeiten der Windhunderennen in den 1920er und 1930er Jahren gab es mehr als 200 Bahnen im Vereinigten Köngigreich. Sie zogen bis zu 16 Millionen Besuchern jährlich an.
So alt wie die Geschichte der kommerziellen Hunderennen, so lange gibt es Vorbehalte von Tierschützern. Über die Jahrzehnte haben die AktivistInnen mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit ein Hinterfragen der Branche erreicht. In meinem Beitrag kommen zu Wort Rita Jones von der Organisation „Kampagne gegen Ausbeutung und Tötung von Windhunden, kurz CAGED, und Nuala Donlon, Sprecherin der Irischen Aktionsgruppe (Greyhound Action Ireland). Die Organisation Greyt Exploitations hat auf ihrer Webseite die bekanntesten Beispiele von Unfällen auf Rennbahnen und das „Entsorgen“ von Hunden in den frühen 2000er Jahren dokumentiert.
Die von mir ebenfalls erwähnte Investigativdokumentation Running for their Lives des irischen staatlichen TV-Senders RTÈ ONE machte 2019 die dunklen Seiten des kommerziellen Hunderenngeschäfts erstmals einer breiten Zuschauerschaft zugänglich. Die Branche versprach Besserung, doch laut Aktivisten mit mäßigen Resultaten.
In dem Dokumentarfilm Going to the Dogs (2025) porträtiert Regisseur Greg Cruttwell eine Garde von alteingesessenen Züchtern und Trainern, die ihre Windhunde pfleglich behandeln, als eine aussterbende Zunft – ähnlich der „Kumpel“, der Bergleute, im letzten Jahrtausend.
Die große Gefahr, die Tierschützer bei schwindenden Rennbahnen, Besucherzahlen und Wetteinnahmen für die Hunde sehen, ist der Export nach Übersee – in Länder wie China und Pakistan, in denen es kaum Tierschutzgesetze gibt. Kerry Hill, Gründerin des Vereins Candy’s Hound Rescue fliegt regelmäßig nach China, um – in Zusammenarbeit mit einheimischen Tierschützern – ausgemusterte Windhunde aus überfüllten Tierheimen, den Händen brutaler Züchter und dem Fleischmarkt frei zu kaufen.
Die vorgegebenen Länge für meinen Beitrag hat mir leider nicht erlaubt, auch Kerry Hill darin sprechen zu lassen. Ich bin aber dabei, mein Interview mit ihr zu schneiden, und werde es so bald wie möglich posten.
Wer kein Deutsch versteht, kann eine übersetzte Transkription meines Radiobeitrags auf meinem englischsprachigen Substack-Blog hier lesen.
