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Yulin Hundefleisch-Fest

Beim Yulin Hundefleisch-Festival werden jedes Jahr Tausende von Hunden getötet.

Trotz weltweiter Proteste findet das Schlachten wieder statt.

Yulin Hundemarkt / Facebook

Am Tag der Sommersonnenwende beginnt in der Stadt Yulin das Litschi und Hundefleisch-Festival, bei dem mindestens 10.000 Hunde und Katzen geschlachtet, zerhackt, gebraten und gegessen werden.

Ich bin alles andere als ein Fan von Facebook. Aber immer wieder entdecke ich dort Informationen, Ereignisse und Menschen, die es wert sind, dass ihre Geschichte weiter verbreitet werden - unabhängig von dem Ort, an dem ich mich im Moment aufhalte. Diese ist eine davon.

Bevor ihnen der Kopf mit Hämmern oder Eisenstangen eingeschlagen oder die Kehle durchgeschnitten wird, darben die Hunde, zusammengepfercht in viel zu engen Käfigen, über Tage hinweg vor sich hin. Tausende werden, übereinander gestapelt, auf Lastwagen aus der Umgebung in die Sechsmillionen-Stadt Yulin in Südchina nahe der Grenze zu Vietnam transportiert. Auf dem Markt bieten die Händler dann die Hunde feil, verkaufen sie lebend oder schlachten sie vor Ort. Dieses Jahr geht das Spektakel vom 21. bis 30. Juni. Es beginnt, wenn laut Kalender der Sommer beginnt – eigentlich ein Tag zum Freuen und Fröhlichsein. Fröhlich sind diejenigen, die gern Hundefleisch essen, bei dem Fest in Yulin freilich auch. Wie die britische Zeitung The Independent berichtet, glauben viele, dass der Verzehr dieses Fleisches in den Sommermonaten Glück und Gesundheit bringe. Manche sind zudem der Ansicht, Hundefleisch könne Krankheiten abwehren und die sexuelle Potenz von Männern steigern. Die in Würfel gehackten Hundeteile werden entweder in einem Wok gebraten, in einem Topf gegart oder an Spießen wie Schaschlik gegrillt. Dazu verzehren die Festschmaußer Litschis sowie andere Früchte und Gemüse.

Nach Schätzungen von Tierrechtsaktivisten werden bei jedem Fest in Yulin mindestens 10.000 Hunde getötet und verspeist. Und Katzen. Die Anzahl getöteter Katzen sei zwar geringer als die von Hunden, der Verzehr jedoch ein fester Bestandteil des Festes. Die verkauften Tiere, egal ob Hund oder Katze, stammen häufig aus illegalen Quellen, da sie nicht aus einer Zuchtfarm stammen, sondern auf der Straße gefangen werden. Sogar Haustiere werden gestohlen. Viele von ihnen tragen in den Käfigen noch ihr Halsband, wie man in einem heimlich aufgenommenen Video sehen kann.

Hier ist zu sehen, dass auch Hunde mit Halsband gefangen und verkauft werden.

Haustierbesitzer sind nicht die einzigen, die seit Jahren ein Verbot des Hundefleisch-Festes fordern. Dessen Veranstalter behaupten, dass die Tiere auf humane Weise getötet würden, und „der Verzehr von Hundefleisch sich nicht vom Verzehr von Schweine- oder Rindfleisch unterscheidet“. Tierschützer halten dagegen, dass die Tiere grausam behandelt würden, manchmal auch öffentlich tot geknüppelt, da viele Leute dem Aberglauben anhingen, dass gequälte Tiere mehr Adrenalin auschütten, was ihr Fleisch schmackhafter mache. Aktivisten weisen zudem darauf hin, dass die unhygienischen Zustände auf dem Festival . Sie lassen auch das Argument nicht gelten, das Festival sei in der Tradition verwurzelt, denn vor seiner Einführung hätte es in Yulin kein massenhaftes Schlachten und den Verzehr von Hunden gegeben. Vielmehr sei die Veranstaltung von Hundehändlern ins Leben gerufen worden, um ihre Gewinne zu steigern.

Diese Händler sind es auch, die das Fest am Laufen halten. Die Regierung in Peking distanziert sich offiziell von der Veranstaltung und betont, dass sie keine staatliche Unterstützung gewähre. Im Jahr 2020 stufte das Landwirtschaftsministerium zudem Hunde offiziell von Nutztieren zu Haustieren um. Dennoch werden in China jedes Jahr weiterhin zehn Millionen Hunde und vier Millionen Katzen gegessen, da der Verzehr ihres Fleisches gesetzlich erlaubt ist. Solange dies so ist, stellen die Behörden sich auf den Standpunkt, seien ihnen die Hände gebunden.

Doch Einstellungen und Werte wandeln sich. Während der Kulturrevolution war die Haltung von Hunden als Haustiere verboten, doch mittlerweile ist sie in Chinas wachsender Mittelschicht beliebt, und 62 Millionen Hunde sind als Haustiere registriert. Seit Bestehen des Yulin Festivals haben Tierrechtsaktivisten über die Jahre hinweg Tausende von Hunden gerettet. Chinesische und internationale Prominente haben sich öffentlich gegen das blutige Spektakel positioniert. Eine im Mai 2025 veröffentlichte Umfrage ergab, dass eine überwältigende Mehrheit von 87,5 Prozent der Einwohner von Yulin nie oder selten Hunde- oder Katzenfleisch isst, und ebenso viele im Fall eines Handelsverbots keine negativen Auswirkungen auf ihr Leben sehen.

Kurz vor dem Festival 2026 ist ein Hundeschlachthaus in Yulin geschlossen worden, nachdem lokale Aktivisten, unterstützt von der Tierrechtsorganisation Humane World of Animals, eine rechtsverbindliche Vereinbarung mit dem Betreiber geschlossen haben. Er will den Betrieb nun in einen Frühstücksservice umwandeln, der Reisbrei und frittiertes Gebäck anbietet. Für viele Tierschützer markiert dies einen Meilenstein hin zu alternativen Einkommensgrundlagen in der Stadt – und einer Zukunft, in der das Hundefleisch-Festival der Vergangenheit angehören wird.

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