Von Tag 1 zu Tag 10: Die Zeit vergeht wie im Überschallflug.

In meinen letzten Tagen hier oben im nirgendwo wird es so richtig heiß… Zwischen Morgen- und Abendwanderungen halten die Hunde Siesta. Die Esel dösen im Schatten.
Sechs Hunde. Wie unerwartet leicht es doch ist, sie auseinanderzuhalten mit ihren individuellen Charakteren, und der Rolle, die sie damit innerhalb des Rudels und auch mir gegenüber einnehmen. Treacle, die zarte Podenca mit dem ausgeprägten Jagdtrieb ist mit neun Jahren die älteste; die Schwestern Bella und Poppy, die sich anfühlen und benehmen wie übergroße Teddybären; die schwarze agile Meggie, die sich nach dem Schwimmen immer nass an mich drängt; die verspielte Elsa, die so gern mit den „Kleineren“ nachts in die Hütte kommen würde und mir mit ihrem bittenden Blick jedes Mal ein schlechtes Gewissen macht, wenn ich sie abweisen muss, und die dennoch treu Hütte und Hof bewacht; und last but not least, Reo, der einzige Junge und zugleich der Jüngste und Unabhängigste im Bund. Als eine mittelgroße grünlichblaue Schlange sich durch den Sand im Hof schlängelt, ist es Reo, der sie sich näher ansehen will, ich halte ihn jedoch zurück. Es gibt giftige Schlangen in Portugal, die für Menschen zwar nicht lebensbedrohlich sind, es für Hunde aber durchaus sein können.
Eines Morgens ist starker Wind, und es tanzen nicht nur die Blätter in den Bäumen, sondern bei unserer Wanderung tanzen auch unzählige Schmetterlingen um uns herum. Solche Momente sind die Mühen des Aufstiegs wert. Ich fühle mich zudem von Tag zu Tag fitter. Den Hügel, den ich vor einer Woche nur bezwang, indem ich auf dem Weg nach oben dreimal stehen blieb, um zu verschnaufen – diesen Hügel stapfe ich jetzt in einem Zug hoch. Meine Jeans sitzen um Oberschenkel und Hüften mittlerweile auch viel lockerer.
Beim Absteigen auf einem steilen Pfad fängt allerdings mein linkes Knie an zu klagen. Ich erinnere mich an ein Grundprinzip der Körperformungsmethode Cantienica, die ich seit fünfzehn Jahren betreibe, das heißt: „Richte dich immer nach oben aus“. Stampfe beim Gehen oder Joggen nicht, „bumm“, quasi in den Boden hinein, sondern betone deine Schritte nach oben, als wolltest du abheben… der berühmte „federnde Gang“. Und tatsächlich: Als ich im Geist diese Umkehrung mache und weiterlaufe, verschwindet nach einigen Schritten der Schmerz in meinem Knie.
Eselmama Pixie riskiert es doch noch mal mit mir. Sie nähert sich bis zum Körperkontakt, als ich das Körnerfutter für sie und Tochter Indie auswerfe. Überglücklich schlinge ich meinen rechten Arm um ihren Hals, und für eine Sekunde sind alle Widrigkeiten vergessen, da drängt sich Reo bellend dazwischen – und die Eseljagd ist eröffnet. Die Hunde verfolgen die beiden Eselinnen bis in die hinterste Ecke des Hofes. Ich fühle mich hilflos und verlege mich darauf, die Anführer, Reo und Meggie, mit harschen Worten zu empfangen, als sie hinter dem Haus wieder auftauchen. Bilde ich es mir ein, oder schauen die beiden schuldbewusst? Zugleich wedeln sie aber heftig mit dem Schwanz. Ich kapituliere. Die Runde geht an sie. Ich hoffe sehr, dass ihre Besitzer Donna und Mark bald eine neue Familie für die Eselinnen finden werden, so wie es ihnen bereits mit zwei anderen Eseln und einem Pferd gelungen ist. Auf dass die Eseljagden auf dem Hof der Vergangenheit angehören werden, und Pixie und Indie in Frieden ihre Siesta halten und Karotten kauen können.







Noch ein letzter Gang mit der Hundegang zum Badeweiher… Dann sind meine zehn Tage in Sarnadinha auch schon wieder vorbei. Die Hunde begleiten mich zum Auto und erwarten wohl, dass ich in ein paar Stunden wieder die Auffahrt herauf düse. Stattdessen werden ihre Besitzer in den Hof einbiegen und die Schar wieder unter ihre Fittiche nehmen.