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Roadtrip 🚗Portugal: Der Stupa von Malhão

Ein Buddhistisches Symbol in den Bergen der Algarve

Was immer ich in der Pampa um Sarnadinha erwartet hatte – sicherlich keinen Stupa. Doch ich brauche nur eine halbe Stunde mit dem Auto, bis ich vor dem Bauwerk stehe. Auf einem Berggipfel, zehn Kilometer außerhalb von Salir.

Zum Stupa ©Rebecca Hillauer

Ich gestehe, dass ich mich erst schlau machen muss: Ein Stupa ist ein Bauwerk, das heutzutage als Symbol des erleuchteten Geistes und der Buddha-Präsenz gilt, lese ich. Es handelt sich um ein Friedensdenkmal, mit dem keine Missionierung betrieben werden soll, das auch nicht an einen Menschen (oder einen Gott) erinnnern soll, sondern als Ort der Meditation, Besinnung und des Dialogs zwischen allen Menschen dient. Typisch Buddhismus, könnte man lax denken.

Straße zum Stupa ©Rebecca Hillauer

Bereits als ich die steilen Kurven zu der Bergspitze hinauf fahre, auf der der Stupa ruhig und würdig thront, strömt mir ein Geist des Friedens in Form von allerlei weltlichen Botschaften entgegen, die auf die Fahrbahn gemalt und geschrieben sind. Love, Peace. Herzen. Gute Wünsche. In Blau, Grün, Gelb und so weiter. Nun bin ich mir sicher, dass ich bald ankommen werde. Dann sehe ich auch schon das Schild, das den Weg weist zum Stupa von Malhão, betrieben von der Vereinigung für den Weltfrieden (portugiesisch: Associação para a Paz no Mundo). Ich parke neben dem Cafe vis-à-vis der Auffahrt zum Stupa und gehe den Rest des Weges zu Fuß. Ein Mann, der mir entgegenkommt, grüßt freundlich. Ich rätsele, in welcher Sprache…

Bereits lange vor Lebzeiten Buddhas soll es Stupas gegeben haben, die Laien als Grabhügel für verstorbene buddhistische Heilige errichteten, schreibt die Tibetisch-Übersetzerin Cornelia Weishaar-Günter. „Sie folgten damit einer allgemeinen indischen Sitte, die der Buddha anscheinend nur zögernd billigte. Er wies seine Mönche an, doch lieber zu meditieren. Der Legende nach wurden Buddhas eigene Überreste nach seinem Tod auf acht verschiedene Stupas in Indien verteilt; obwohl die Orte benannt sind, ist keiner dieser Stupas bisher archäologisch nachgewiesen.“ Mit der Zeit entwickelten Stupas sich zu Bauwerken. In der Buddhistischen Tradition sind Stupas zu keiner Zeit Grabhügel. In ihnen sind zwar oft verschiedenste Reliquien „eingebaut“, aber es liegen darin oder darunter keine Menschen begraben.

Traditionell besteht ein Stupa aus einer quadratischen Basis, einer halbkugeligen Kuppel (Anda), einer Reliquienkammer, einem viereckigen Aufbau (Harmika) und einer Spitze mit Ehrenschirmen. Ursprünglich wurden Reliquien des Buddha oder herausragender Mönche darin aufbewahrt; heute stehen der symbolische Aspekt und die positive Energie im Vordergrund. Rings um den Stupa vor mir flattern Gebetsfahnen im Wind. Laut eines buddhistischen Freundes entstammen sie der tibetischen Tradition und werden nicht nur um Stupas herum aufgehängt, sondern auch an vielen anderen Orten. Sie sind mit Symbolen und Mantras beschriftet und sollen dafür sorgen, dass diese vom Wind in die Welt getragen werden. Auch die Farben (Grün, Weiß, Gelb, Rot, Blau) symbolisieren verschiedene Aspekte, zum Beispiel die vier Himmelsrichtungen und die Mitte.

Buddhisten umrunden einen Stupa rituell im Uhrzeigersinn, die rechte Schulter respektvoll dem Bauwerk zugewandt. Und so tue ich es ihnen an diesem Tag nach. Vermutlich hätte ich dabei nicht stehen bleiben und mich mit meinem ganzen Körper dem Stupa zuwenden sollen. Ob der Akt damit seinen Gültigkeit verliert?

Auf dem Rückweg beschließe ich, noch in das Café zu schauen, neben dem ich geparkt habe. Ein Biker-Pärchen in Lederkluft und zwei verschrobene Typen mit Tatoos und Ohrringen sitzen davor an runden Tischen vor Kaffee und Kuchen. Die Einrichtung innen ist schlicht, an einer Wand hängt eine Heugabel. Die Tür zum WC lässt sich nicht ganz öffnen, weil der Raum so eng ist, es braucht einiger Schlangenakrobatik, um hinein und wieder heraus zu kommen. Ich mag den Ort. Die Betreiberin hinter der Glasscheibe ist ein ganzes Stück kleiner als und spricht nur Portugiesisch. Macht aber nichts. Eine junge Frau übersetzt für mich, welche Geschmacksrichtung die unterschiedlichen Gebäckstücke sind. Die Betreiberin freut sich, als ich mir drei Stücke einpacken lasse. Ich packe das erste bereits wieder aus, um es zu kosten, als ein weiteres Biker-Pärchen zur Tür herein kommt. Die malerische kurvenreiche Strecke bietet sich natürlich an für Motorradtouren.

Als ich wieder die steile Straße den Berg hinunterfahre, kommt mir ein junges Paar in einem Cabrio entgegen, die Frau auf dem Beifahrersitz hält einen Strauß Blumen in der Hand. Unwillkürlich denke ich, ob sie sie wohl an dem Stupa ablegen will. Dem Geist des Ortes würde das entsprechen.

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