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Roadtrip Portugal: Ein Sixpack Hunde und zwei Esel

Mitten in den Bergen der südlichen Algarve hüte ich sechs Hunde und zwei Esel.

Ein Weiler in den Bergen von nirgendwo

Nach Kater Rocky in Odeceixe habe ich in Sarnadinha acht wesentlich größere Mitbewohner. Eine ziemliche Umstellung. Und Herausforderung. Aber „wer nicht wagt, die nicht gewinnt“.

Morgenspaziergang mit Blick auf das Anwesen ©Rebecca Hillauer

Sechs Hunde klingt erst einmal nach ziemlich viel Arbeit. Zu meiner Freude bewahrheitet sich aber, was die Besitzer am Telefon angekündigt hatten: Die Truppe ist relativ pflegeleicht – und bis auf den photogenen karamellfarbenen Reo alles Damen. Darf ich vorstellen: die deutsche Schäferhündin Elsa (deutscher als dieser Name geht es nicht *lach*) und die Schwestern Bella und Poppy – so groß wie Elsa und mit enorm dickem Fell. Dann die drei Kleineren: Reo eben, der einzige Junge, sowie die schwarze Meggie und die zierliche elegante Podenca Treacle mit der markanten hellen Blesse in Form eines Streifens von ihrer Stirn bis zur Schnauze.

Der Weiler, den ich mir ausgesucht habe, heißt Sarnadinha. Die nächste größere Ortschaft, Salir, ist 20 Minuten mit dem Auto entfernt, die nächste Stadt, Loulé, sogar 40 Minuten. Tatsächlich sind die Entfernungen in Kilometern gemessen recht unerheblich, doch die Strecke ist eine einzige Achterbahnfahrt entlang unzähliger Serpentinen, auf Landstraße, bergauf und bergab, die Fahrbahndecke teils vom letzten Starkregen noch aufgerissen. Viele Bäume. Viel Grün. Wunderschön.

Kurz vor Sarnadinha ©Rebecca Hillauer

Kurz bevor ich nach Sarnadinha in eine noch schmalere Landstraße abbiege, irritiert mich für einen Augenblick ein Ortsschild: California. Nein, ich bin nicht per Telepathie über den Atlantik und die ganze USA geflogen. Ich bin noch immer in Portugal. Ein bisschen hippiemäßige Aufbruchstimmung kann ich dem Anwesen, auf dem ich wohne, allerdings durchaus zuschreiben. Donna und Mark haben sich etwas abseits auf dem abschüssigen Gelände eine „Hütte“ gebaut, die sie später einmal als Ferienwohnung vermieten wollen – wenn sie das eigentliche Haus, das jetzt noch in verfallenem Zustand ist, renoviert haben. Die Küche soll in einem Monat so weit sein. Das restliche Haus wird, so schätzen sie, noch bis mindestens nächstes Jahr dauern.

Einen Zaun gibt es um das Anwesen nicht. Die Hunde und die beiden Esel – Mama Pixie und ihre Tochter Indie – können sich überall frei bewegen. Das ungehinderte Miteinander klappt auch die meiste Zeit – bis die Esel eine „falsche“ Bewegung machen, oder der Jagdtrieb in den Hunden ankickt… dann jagt das ganze Rudel wild bellend hinter den davon stiebenden Eseln her. Wütendes Rufen und Schreien geht ins Leere, wenn der Jagdtrieb erst einmal angeworfen ist. Nur präventive Kontrolle kann das Eseltreiben verhindern. Das lerne ich gleich am ersten Tag. Denn Reo verbellt die jüngere Eselin Indie, als ich ihr gerade einen Karottensnack reichen will. Beide Esel galoppieren aufgeschreckt davon, die Hunde bellend hinterher. Mama Pixie ließ sich am Morgen noch vertrauensvoll von mir bürsten – für die restlichen Tage wird sie mich nur argwöhnisch beäugen. Ich ärgere mich nicht wenig, denn die beiden Esel waren ein gewichtiger Grund, warum ich hierher in die Pampa gekommen bin.

Doch der erste Tag hat noch andere böse Überraschungen für mich. Am Morgen entdecke ich ein totes weißes Kätzchen in der Wiese. Sie ist bereits steif. Jagen die Hunde also nicht nur Esel? Am Nachmittag schlendern wir zum nahen Bach. Ich fühle mich vollkommen wohl und entspannt, als Treacle, die zierliche Podenca, mir plötzlich ein Kätzchen vor die Füße legt, das sie gefangen hat. Das kleine dunkelgraue Wesen lebt noch. Ich sehe, wie es atmet. Schnell nehme ich es auf den Arm, um es vor den Hunden zu schützen. Treacle schaut mich etwas verstört an. Vermutlich hat sie erwartet, dass ich sie lobe. Stattdessen renne ich mit dem Kätzchen zurück zum Haus und rufe den Tierarzt an. Es ist bereits nach 18 Uhr, aber ich darf mit dem Kätzchen noch vorbeikommen. Die Veterinärklinik ist in Loulé, das bedeutet 40 Minuten Autofahrt. Ich überlege dennoch keine Sekunde, lege das Kätzchen sanft auf den Beifahrersitz und brause los. Es scheint wieder zum Leben zu erwachen, bewegt sich in und her. Vielleicht, denke ich, muss es doch nicht eingeschläfert werden. Ich sehe allerdings auch, dass es sein rechtes Vorderbeinchen nicht richtig bewegen kann. Der Arzt gibt der Kleinen (es ist ein Mädchen) wenig Chancen, dass sie das Bein je wieder wird richtig bewegen können. Wenn er sie auf der rechten Seite berührt, hat sie zudem offensichtlich Schmerzen. Die Entscheidung liegt nun bei mir. Sie tut mir weh, aber ich will tun, was das Beste für das Kätzchen ist. Ich bitte den Tierarzt, die Kleine einzuschläfern, bleibe bei ihr und streichele sie. Sie sei, sagt er, erst drei Wochen alt.

Es ist schon fast dunkel, als ich wieder in Sarnadinha bei den Hunden eintreffe. Treacle, die das Kätzchen gefangen hatte, kann ich keinen Vorwurf machen, ihre Rasse, die Podencos, wird in Portugal für die Jagd verwendet. Ich brauche allerdings die kommende Nacht, um das traurige Erlebnis quasi zu überschlafen. Am nächsten Morgen gehe ich mit den Hunden wieder wandern. Die Exkursionen mit dem Vierbeiner-Sixpack sind einfach zu schön. Wenn auch sehr anstrengend, denn genauso wie die asphaltierten Landstraßen führen die Wanderwege beständig bergauf und bergab, und regelrecht über Stock und Stein. Von den Anhöhen aus kann ich sehen, wie abgelegen die Gegend tatsächlich ist.

Wieder denke ich an Afrika. Eine Lichtung mit zwei Bäumen bringt mir den Film „Jenseits von Afrika“ ins Gedächtnis, in dem Robert Redford alias Denys Finch Hatton auf einer solchen Lichtung bestattet wird. Allerdings steht dort im Film nur ein einziger Baum, unter dem sich dann auch des öfteren ein Löwe auf die Ruhestätte des verstorbenen Großwildjägers legt. Ach, Hollywood. Im realen Leben verließ Finch Hatton die Protagonistin Karen Blixen für eine jüngere Frau. Aber die Szene im Film, in der Meryl Streep und Redford vor einem Zelt zu Abend essen, sie ihm dann ihre Hände auf die Schultern legt und ins Zelt entschwindet… Ja, das ist bestes Hollywood.

Die Hunde und ich beenden unsere Spaziergänge weniger romantisch. Aber mit viel Spaß. Und zwar – das gilt zumindest für die Hunde – mit einem Sprung in einen der Weiher entlang unserer Wege. Sogar einen kleinen Fluss gibt es, dessen Ufer aber leider zugewachsen sind. Bei so vielen pelzigen Vierbeinern bleiben natürlich Zecken nicht aus, insbesondere nach einem so regnerischen Frühjahr und den nun ansteigenden Temperaturen. Feucht und warm ist so ganz nach dem Gusto der Zecken. Jeden Tag sammele ich zwei oder drei aus einem Fell, gelegentlich schaffen es die ekligen kleinen Krabbler auch bis auf meinen Arm, aber inzwischen bin ich geübt und fange und zerquetsche sie, bevor sie zubeißen und sich festsaugen können.

Reo, ganz der Junge unter der Damenschar, ist meist der Anführer bei unseren Wanderungen. Flankiert von Meggie, die mit ihrem schwarzen Fell unter dem braunbefellten Rest der Truppe heraussticht. Die drei Kleineren – Reo, Meggie und Treacle – dürfen abends ins Haus, die drei Großen – Elsa, Bella und Poppy – leben ganzjährig draußen. Elsa, die nicht genug davon bekommen kann, wenn ich ihr ihren zerkauten roten Ball, einen Stein oder Ästchen zuwerfe, hat sich einen besonderen Platz gesichert: Er ist unter der Hütte, wo das Holzhaus auf kurzen Stelzen gebaut ist, um den Höhenunterschied am Abhang auszugleichen. Dort, in dem Raum zwischen Erde und Holzboden, ist es an heißen Tagen angenehm kühl. Als ich meine Hand hinein halte, meine ich einen leichten Windhauch zu spüren. Eine altbewährte Methode zum Klimatisieren von Holzhäusern – eine antike Klimaanlage sozusagen.

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