Nur noch wenige Stationen… Portugal, hier komme ich!

Nachdem ich mir den Stierkampf vom Samstag von der Seele geschrieben habe, wieder zurück in der Zeit… Der Countdown läuft: Meine letzten Stationen auf spanischem Boden vor Überfahren der Grenze nach Portugal.
Die schnellste Strecke von Granada nach Aracena führt direkt über Sevilla. Ich will allerdings auf dem Weg dorthin noch kurz bei zwei Galgo-Schutzheimen halt machen, und eines davon, Galgos del Sur (Galgos des Südens), hat seinen Sitz in Villafranca de Cordoba. Kein allzu großer Umweg… insgesamt eine Fahrzeit von nur gut zwei Stunden – und eine Gelegenheit, noch mehr von Spanien zu sehen.



Galgos del Sur ist ein Projekt von Javier Luna und seiner Frau Patricia. Es liegt mitten in der Pampa, in „No-Man’s Land“, einige Kilometer außerhalb der nächsten Stadt, aber wunderschön. Javier ist der Vorsitzende der spanischen Tierschutzpartei, PACMA. Da ein Interview an unseren mangelnden gemeinsamen Sprachkenntnissen scheitert, setze ich mich nach einem Rundgang über das ausgedehnte Gelände wieder hinters Steuer. Javier drückt mir noch den aktuellen Wandkalender mit den Galgo-Porträts in die Hand. Dann „Tschüß“. Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt mit Übersetzerin miteinander sprechen, trotzdem gut, ihn leibhaftig gesehen und erlebt zu haben. Mehr über Javier Luna und Galgos del Sur demnächst in einer RadioReise-Story von mir.
Noch zwei weiteren Stunden mit dem Auto komme ich in Dos Hermanas bei der Stiftung Benjamin Mehnert an. Von hier sind es nur noch rund 15 Kilometer bis zum Stadtzentrum von Sevilla. Das Projekt beherbergt je nach Jahrezeit zwischen 400 und 600 Hunden und ist damit die größte Galgo-Schutzeinrichtung Spaniens, gegründet von der Deutschen Gisela Mehnert. Steffi, eine der freiwilligen Helferinnen, führt mich über das Gelände. Sie kommt seit Jahren regelmäßig für ein paar Wochen hierher, weil ihr die Arbeit mit den Hunden und die Atmosphäre unter den Mitarbeiterinnen gefällt. Auch hier gilt: Demnächst mehr in meiner RadioReise-Geschichte.


Nun sind es noch anderthalb Stunden Autofahrt bis zu dem Ort, an dem ich übernachten werde: Aracena. Ich lasse mich wie so oft von dem, was auf mich zukommt, überraschen. An den sich immer üppiger ausdehnenden Bäumen entlang der Straße erkenne ich, dass ich Kilometer um Kilometer in eine andere Vegetationszone hinübergleite.



Als ich am späten Nachmittag in das 8500 Einwohner zählende Städtchen einfahre, kommen mir – typisch für die Region – schmucke weiß gekalkte Häuschen und kopfsteingepflasterte Gassen entgegen. Aracena ist vor allem für seine Tropfsteinhöhle Gruta de las Maravillas (Wundergrotte) bekannt, die auf drei übereinanderliegenden Ebenen mehr als 100 Meter in die Tiefe reicht und sechs unterirdische Seen beherbergt. Oberirdisch thronen die Überreste der alten Festungsburg über der Stadt.

Mein Gastgeber Luis Carlos, ein ehemaliger Englischlehrer, und seine frühere Kollegin und jetzt Nachbarin, María José Canterla, steigen mit mir den steilen Burgberg hinauf, um von dort zuzusehen, wie die Sonne langsam hinter den Bergkämmen der Sierra de Aracena, einem Naturpark, entschwindet.

Von hier oben können wir auch die vor unseren Augen ausgebreitete historische Kulturlandschaft im Tal überblicken – mit ihren Korkeichenwäldern, gewundenen Bächen und verstreuten Dörfern. Unten in der Stadt ist das ehemalige Dominikanerinnen-Kloster aus dem 17. Jahrhundert in ein modernes 4-Sterne-Wellness-Hotel umgewandelt worden. Wir werfen einen raschem Blick hinein auf unserem abendlichen Spaziergang durch die stillen Gassen. Am illustren Plaza de Marqués de Aracena überraschen mich überlegensgroße Skulpturen, und – ich traue meinen Augen kaum – sogar ein Casino gibt es in der kleinen Stadt. Das zweistöckige Gebäude mit der turmartigen Auslucht wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem Architekten Aníbal González entworfen, der – erklärt die kundige María – auch die berühmte Plaza de España in Sevilla gestaltet hat.






Ich bin beeindruckt von dem Städtchen, das historisch, kulturell und landschaftlich so viel zu bieten hat. Gern wäre ich noch länger geblieben, doch ich werde in Lissabon erwartet. So wird Aracena zu meiner letzten Station in Spanien, bevor ich die Grenze zu Portugal überquere. Ab jetzt gibt es keinen „Roadtrip Andalusien“ mehr, sondern ich schlage ein neues Reisekapitel auf: „Roadtrip Portugal“.