Neue Demonstrationen für den gequälten Straßenhund

Eigentlich sollte ich jetzt vor der Botschaft Brasiliens in Lisabon stehen. Auch dort war für heute eine Kundgebung geplant, um eine gerechte Strafe für Orelhas Peiniger zu fordern. Dann wird Lisabon abgesagt – aber es gibt auch sonst viel Neues zu berichten.
„Ihr habt gedacht, ihr seid unverwundbar. Aber ihr habt euch getäuscht: Gerechtigkeit wird kommen!“ So wirbt ein Videoclip für den Globalen Aktionstag für Orelha am 2. Mai. Boston – Dallas – Madrid – London – Prag. Überall hier finden Protestkundgebungen vor brasilianischen Botschaften statt. In Brasilien, wo das Verbrechen stattfand, kamen die Menschen bereits in den Tagen zuvor zusammen – Sao Paulo, Rio de Janeiro. Auch in Argentinien haben Tierschützer ihre Unterstützung zugesagt.
Seit der Nacht zum 4. Januar, in der Orelha den jugendlichen Tierquälern in die Hände fiel, sind fast auf den Tag genau vier Monate vergangen. Vier Monate, in dem sich immer mehr Menschen in immer mehr Ländern voller Abscheu vor den Tätern und voller Mitgefühl für den gequälten Hund zusammengefunden haben, um „Gerechtigkeit für Orelha“ zu fordern.
Ein Paukenschlag letzte Woche: In den sozialen Netzwerken taucht ein Video auf, das die der Tat verdächtigten Jugendlichen selbst aufgenommen und online gestellt haben – zumindest für eine kurze Weile. Doch diese Zeit genügte, um das Video in alle Netzwelt zu verstreuen – und Empörung, Ekel und Wut auszulösen.
Zu sehen ist eine Gruppe Jugendliche, die in einem Raum trinkt und feiert. „Jetzt der Orelha-Filter“, verlangt einer, und irgendjemand setzt sich eine Hundemaske auf. „Schlag mich ins Gesicht!“, höhnt eine Stimme. Laute wie von eine Hammer. Dann Klagelaute „Ai, ai“. Schallendes Gelächter. So sicher fühlen sich die Nachäffer offenbar, dass sie sogar die Maske abnehmen. Ihre Gesichter sind klar zu erkennen.Das könnte zweien von ihnen nun zum Verhängnis werden.


Stellungnahme 2 / Facebook
Das private Prä-Universitätsinstitut Gaia Curso e Colégio in Florianópolis, das zumindest zwei Jugendliche besuchen, die im Video erkennbar sind, distanzierte sich von jeglicher Form der Gewalt und soll bekannt gegeben haben, dass es die zwei Jugendlichen der Schule verwiesen hat. Laut der Facebook-Gruppe „Gerechtigkeit für Orelha (International)“ hat ein Whistleblower dies bestätigt. (Auf meine schriftliche Anfrage um Bestätigung hat das Institut noch nicht geantwortet, Anm.),
Einer der beiden Verwiesenen soll Andre, der Neffe des ehemaligen Profitennisspielers Gustavo „Guga“ Kuerten sein. Die deutsche Großmutter des dreifachen French-Open-Siegers finanzierte seine Sportausbildung. Kuerten wohnt in seiner Geburtstadt Florianópolis, wo auch sein Neffe mit Familie lebt – 30 Kilometer von dem Strandviertel entfernt, wo Orelha gefoltert wurde. Kuerten schweigt bislang zu der Beteiligung seines Neffen in dem Video. Im Netz fordern die ersten Stimmen einen Boykott der Unternehmen, die mit Kuerten zusammenarbeiten. Andere rufen die Community dazu auf, ihre Enttäuschung über dessen Schweigen der International Tennis Hall of Fame kundzutun. In die Ruhmeshalle des Tennissports in Newport, Rhode Island, ist der Brasilianer im Jahr 2012 aufgenommen worden.
Elizabeth Griffiths schreibt auf Facebook: „Ich frage mich, ob den Eltern bewusst ist, wie kläglich sie als Eltern versagt haben. Sie haben nicht nur Monster großgezogen, die Tierquälerei amüsant finden, sondern billigen dies auch noch, indem sie versuchen, ihre Kinder freizukaufen. Wenn man sie schon nicht richtig erziehen kann, dann sollte man ihnen wenigstens – im Interesse von uns anderen, die wir mit diesen widerlichen Sprösslingen die gleiche Luft atmen müssen – beibringen, dass ihr Handeln Konsequenzen hat.“
Dass die Täter für ihr Verbrechen doch noch büßen sollen, ist Konsens unter den Aktivisten. Anwälte und Politiker plädieren für eine Aufklärung und strafrechtliche Verfolgung der Täter.

Glaubt man einem Post, der im Netz kursiert und angeblich von einem der Täter, Pedro Kowalski, stammt, war das Ganze nur „ein Spaß unter Freunden“. Orelha sei bereits zehn Jahre alt gewesen – „Zeit für ihn zu sterben“. Pedro bereue nicht. „Ihn so leiden zu sehen, war urkomisch, haha.“ Aktivisten würden nun als Verbrechen bezeichen – was überhaupt keines gewesen sei.
„Er war nur ein stinkender, mit Zecken bedeckter Köder, haha. Ich spreche für die ganze Gruppe.“
Mehr von mir über Orelha und die Bemühungen um die Bestrafung seiner Peiniger: