Zwischen „objektiver“ Berichterstatterin und Reisebloggerin
Wer mir auf Facebook, Instagram oder Telegram folgt, weiß, dass mein roter VW Polo und ich auf unserem Roadtrip inzwischen in Portugal angekommen sind. Meine Posts sind kurz, aber aktuell. Meine Follower „folgen“ mir im wahrsten Sinn. Anders auf dieser Webseite. Hier sind meine Geschichten länger, sie zu schreiben, braucht Zeit. Zeit, in der Sie, die Sie mir hier folgen, den Anschluss an meine Reise verlieren können – und, im schlimmsten Fall, ich Sie als Leserin oder Leser verliere. Schluss damit.
On the road fahre ich oft viele Autostunden, sehe tagtäglich viel Neues, treffe viele neue Menschen – und finde dann am Abend nicht die Zeit, und manchmal auch nicht die Muse, um alle diese Eindrücke noch in das Blog zu tippen. Zu Beginn meiner Reise habe ich es geschafft und dabei riesigen Spaß gehabt. Und dann… Wie bringe ich also „Bloggen“ und „richtige Geschichten erzählen“ unter einen Hut? Wie meistere ich diesen Spagat? Ist das überhaupt ein Gegensatz?
Meine Webseite hier habe ich begonnen als Plattform für meine Geschichten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, für dessen diverse Sender ich inzwischen 25 Jahre lang als „Freie“ arbeite. Mit der Zeit hat sich vieles verändert – und ich bin zu einer Nomadin geworden. Plötzlich gibt es nicht mehr „nur“ journalistische Radiobeiträge und Feature zu posten, sondern es gibt auch mein ureigenes Erleben. Das ist natürlich das Gegenteil von „objektiv“. Und bereitet mir gelegentlich Kopfzerbrechen, wie ich beide Darstellungsformen ausbalanciere.
Eine Geschichte, die ich während einer Reise erlebt und geschrieben habe, wird oft erst sehr viel später im Hörfunk gesendet, wenn ich bereits weitergezogen und an einem ganz anderen Ort oder sogar in einem anderen Land bin. Wie poste ich die Geschichte nun, ohne dass sie als Fremdkörper zwischen den aktuellen Posts – und mein gesamter Blog als „zusammengewürfelt“ erscheint? Oder wie „ein Strauß bunter Blumen“, wie ein Freund es einmal ausdrückte. Dann sind da die gelegentlichen Jahrestage, die an historische Ereignisse erinnern, die ich für bedeutend erachte, die aber mit dem Ort oder dem Land, in dem ich mich gerade aufhalte, eventuell überhaupt nichts zu tun haben. Dito die Umwälzungen unserer Zeit – die weltweit zunehmende digitale Überwachung und Zensur, die geplante Einführung von digitalem Zentralbankgeld und einer zentralen digitalen ID, weitergehende Machtkonzentration und eine sich etablierende Kriegsrhetorik, die den Frieden bedroht, wo es ihn noch gibt.
Sprich, mein Interesse am Weltgeschehen contra mein Wunsch, als freier Geist abseits all dieser „Trivialitäten“ zu leben.
Übertragen auf meinen Ausgangspunkt: Wie bringe ich diese „zwei Seelen in meiner Brust“ in einem Blog, einer Webseite zusammen? Eine Lösung fürs erste vielleicht: Ich poste hier wie auf sozialen Medien des öfteren auch kurz und knapp, um Sie aktuell auf meiner Reise mitzunehmen – und lasse, wenn die Zeit reif ist, eine längere Geschichte folgen.
Aus meinen letzten beiden Posts über Portugal haben Sie vielleicht erahnt, wo ich mich zur Zeit aufhalte. Erahnt…? Lassen Sie es mich ab jetzt anders und hoffentlich besser machen. „Probieren kommt über studieren“, war ein Leitspruch meiner Großmutter, den manche von ihnen vermutlich noch kennen.
Geben Sie mir gern jederzeit eine Rückmeldung, wie Sie meine probeweise Lösung finden.