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Eine internationale Bewegung für Orelha

Die Proteste für den getöteten Straßenhund Orelha entwickeln sich zu einer internationalen Bewegung.

Die Tierquäler von Praia Brava und noch ein Hund wird Opfer.

Zur Demo nach London ©Gillian Taylor

Die Proteste im Namen des zu Tode gequälten Straßenhundes Orelha weiten sich aus – nicht nur im Netz. Tierschützer demonstieren heute vor der brasilianischen Botschaft in London und auf dem Times Square in New York.

„Gerechtigkeit für Orelha!“ Dieser Slogan steht seit mehr als drei Monaten für die Forderung einer wachsenden internationalen Gemeinschaft an die brasilianischen Behörden, eine Gruppe Jugendlicher für ihre unvorstellbare Tierquälerei zur Verantwortung zu ziehen.Tatzeit: die Nacht zum 4. Januar 2026. Tatort: Praia Brava. Ein Strandviertel auf der Insel Santa Catarina in Brasilien (s. mein vorheriger Bericht hier oder unten).

Die Anwohner liebten den Straßenhund Orelha wegen seiner Friedfertigkeit und umsorgten ihn als Teil ihrer Gemeinschaft. Den Namen Orelha („Ohr“) hatten sie ihm gegeben, weil eines seiner Ohren anlag, während das andere in die Luft ragte. In jener Nacht lockten die Jugendlichen den zutraulichen Hund an, begannen dann, ihn zu schlagen, schossen Nägel in seinen Kopf und stießen im einen Pflock in den Anus, der an seinem Hals wieder hervortrat. So fand ein Mann das Tier am nächsten Morgen, noch lebend, aber vor Schmerzen winselnd. Die Verletzungen waren so stark, dass der Tierarzt nur eine Lösung sah: Orelha einschläfern. Seitdem fordert eine beständig wachsende Community Gerechtigkeit für den gequälten Hund. Die Tierschützer beschränken ihre Proteste inzwischen nicht mehr auf soziale Medien, sondern tragen ihre Wut auf die Straße.

Aufruf für London
und New York / Facebook

Im März demonstrierten Tausende in Sao Paolo, vor dem brasilianischen Generalkonsulat in Miami und in Boston. An diesem Samstag, 11. April, demonstrieren Tierschützer vor der brasilianischen Botschaft in London und auf dem Times Square in New York. In der Stadt befindet sich auch das Generalkonsulat Brasiliens. Brasilianische Aktivisten schrieben sogar Papst Leo XIV um Unterstützung an und haben auf Facebook das Schreiben gepostet, in dem der Vatikan den Empfang bestätigt. Der qualvolle Tod Orelhas hat in ganz Latein- und Südamerika eine Diskussion über den Umgang mit Tieren entzündet.

Die jugendlichen Tierquäler von Praia Brava hatten ihre Tat gefilmt und das Foltervideo auf der Plattform Discord gepostet. Der Polizei gelang es deshalb schnell, die Täter zu überführen, die offenbar Wiederholungstäter sind. Fernsehsender im ganzen Land berichteten.

Doch die Rechtslage ist verzwickt – und die Familien einiger Täter besitzen Hotels am Ort, sind wohlhabend und einflussreich. Es gibt Meldungen von (versuchter) Bestechung und Bedrohung von Aktivisten und deren Familien, die Polizei soll deren Wohnungen durchsucht und Computer beschlagnahmt haben. Die Strafen für Tierquälerei sind in Brasilien zwar im Jahr 2000 verschärft worden, gelten aber nur für Erwachsene. Erschwerend kommt hinzu, dass Orelha als Straßenhund keinen registierten Besitzer hatte, der eine eigene Klage einreichen könnte. Anwälte arbeiten nun an alternativen Strategien. Lokalpolitiker wie Mario Motta aus Santa Catarina setzen sich dafür ein, dass sich das Parlament in der Hauptstadt Brazilia mit dem Fall befasst und die Tierschutzgesetzgebung auf nationaler Ebene entsprechend ausweitet. Der Tod Orelhas hat in ganz Latein- und Südamerika eine Diskussion über den Umgang mit Tieren entzündet. „Es geht nicht nur um einen Einzelfall. Es geht darum, was wir als Gesellschaft akzeptieren,“ schreibt der Sozialdemokrat Motta auf Facebook.

Glaubt man Berichten und Fotos auf Facebook, ist Orelha nicht der erste Hund, der am Strand von Praia Brava Tierquälern in die Hände gefallen ist. Und Orelha wird auch nicht das letzte Opfer bleiben. Erst in dieser Woche hat es einen weiteren Fall von Tierquälerei gegeben. Pumba, ein ehemaliger Straßenhund, wurde an einem Nachbarstrand in lebensbedrohlichem Zustand aufgefunden. Das Unglück kommt umso überraschender, als Pumbas Leben erst vor kurzem eine glückliche Wende erfahren hat: Ein Mann, der nur zehn Minuten von Praia Brava entfernt wohnt, hatte Pumba adoptiert, schreibt Anne Onimus, die Administratorin der Facebook-Gruppe Justice for Orelha (International Group). Als der Hund eines Tages nicht nach Hause zurück kam, ging der Mann ihn suchen. Er fand ihn. Doch Pumba reagierte nicht, konnte nicht mehr laufen. Ihm war die Kehle durchgeschnitten worden, und seine Wirbelsäule war schwer verletzt – vermutlich war er geschlagen worden. Wie bei Orelha blieb dem Tierarzt nur eine Wahl – Pumba einzuschläfern. Die Leiterin der Tierschutzorganisation, die den Hund an sein neues Zuhause vermittelt hatte, hat Anzeige erstattet. Eine geplante Obduktion soll die genauen Verletzungen feststellen.

Es gäbe keine Bestätigung, dass es sich um dieselben Täter wie beim „Ohr“ (Orelha) oder um Nachahmungstäter handele, schreibt Lokalpolitiker Mario Motta. Dennoch sieht er in dem nahen zeitlichen Abstand und der Brutalität der Tat ein dringendes Warnsignal. „Tierquälerei ist ein Verbrechen und darf nicht ignoriert werden“.

Facebook-Post gestern, 10. April: Caramalao, ein goldfarbener Mischlingshund, ist am Strand von Itapema auf Santa Catarina tot aufgefunden worden. Die Nachricht muss noch bestätigt werden.

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