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„Feuerstier“ an Ostern

Ostern markiert den Auftakt der zahlreichen Stier-Rituale in Spanien,

An Ostern beginnt in Spanien die Saison der Stier-Rituale.

Plakat Toro Embalao 2026 ©Los Barrios

Die Karwoche heißt in Spanien „Semana Santa“. Am Ende dieser Heiligen Woche sterben in den größeren Städten unzählige Stiere durch den Degen des Matadors. In kleinen Orten rennen „Feuerstiere“ in Panik durch die Straßen.

Jedes Jahr am 17. Januar bringen Menschen in Spanien von der Maus bis zum Pferd Haus- und Nutztiere in die Kirchen, um sie von Priestern segnen zu lassen. So gedenken sie an diesem Tag dem Heiligen Antonius, dem Schutzpatron der Tiere. Anders San Fermín: Der erste Bischof von Pamplona, gilt als Schutzheiliger des Stiertreibens und der Stierläufe, der gegen Unfälle und Verletzungen angerufen wird. Historisch wurden Stiere oft im Rahmen religiöser Feste geopfert oder in Kampfarenen eingesetzt, wobei die Katholische Kirche den Stierkampf über Jahrhunderte hinweg umstritten sah und zeitweise sogar wegen Tierquälerei verbot.

Im Jahr 2026 werden vor den Stierarenen des Landes wieder Tierschützer protestieren. Die Tierschutzorganisation Anima Naturalis hat bei einer Recherche 18.000 Veranstaltungen als tierquälerisch identifiziert dagegen eine Online-Petition lanciert. Bei den „Volksfesten“ in spanischen Städten würden die Stiere gefesselt, an ihren Hörnern mit Seilen gezogen oder ins Meer geworfen und dabei Stürze und Schläge erleiden und mitunter sterben. „Die grausamste Form der Feier ist, wenn mit einer brennbaren Substanz getränkte Kugeln an die Hörner gesteckt und angezündet werden, um die Stiere verzweifelt rennen zu sehen“. In Spanien nennt man diese Veranstaltungen „Toro Embalao“ (Feuerstier).

Eine solche „Fiesta“ findet jedes Jahr, am Ostersonntag, auch in dem idyllischen Örtchen Vejer de la Frontera in Andalusien statt, das ich vor zwei Wochen besuchte (lesen Sie hier). Damals wusste ich von dem Feuerstier-Lauf allerdings noch nichts und genoss einfach die beschauliche Ansammlung weiß getünchter Häuser. Nun aber…

Am Ostersonntag werden drei Stiere über das Tag verteilt durch die Straßen des Ortes getrieben, jeweils nach einem traditionellen Zeitplan: 12:00 Uhr: Start des ersten Stiers; 13:00 Uhr: Start des zweiten Stiers (dieser gilt oft als der spektakulärste); 16:00 Uhr: Start des dritten Stiers.

Das Gewicht der Bullen wird dabei besonders betont. Denn je schwerer und massiger, desto größer ist in der Vorstellung der Teilnehmer die Herausforderung, den Stier „zu erobern“. Auf dem Plakat von 2025 liest man, dass der Stier, der als zweiter laufen muss, bis zu 100 Kilo schwerer ist als die beiden anderen. Angesichts der majestätischen Größe der Tiere könnten die Menschen so etwas wie Demut vor der Schöpfung empfinden. Noch dazu, weil diese mächtigen Tiere niemanden angreifen würden, ohne vorher massiv gereizt zu werden. Stattdessen machen die Beteiligten das Gegenteil – und alle sind stolz auf sich.

Dabei ist Vejer nur eine von mehreren Gemeinden in der Region Cádiz, die das Ritual immer noch Jahr für Jahr durchführen. Der Zeitplan wird in Medien vorabgedruckt, genauso wie die Termine der vielen Prozessionen von religiösen Bruderschaften, die in der Osterwoche in den Städten durch die Straßen ziehen.

Plakat Toro Embalao 2025 @Vejer

Auf YouTube finde ich „nur“ Videos, in denen die Stiere zwar Pechkugeln auf ihren Hörnern tragen, die aber noch nicht angezündet sind. Wie es aussieht, wenn die Fackeln lodern und den Stier in Panik und Schmerzen versetzen, zeigt ein Video aus Nordspanien.

Anders als etwa beim „Toro Jubilo“ in dem Ort Medinaceli wird der Stier in Vejer am Ende seines Paniklaufes nicht geschlachtet, sondern „darf“ zurück auf seine Wiese. Wie es dort für den traumatisierten Stier weitergeht? Manche Stiere werden sogar mehrfach zu einem Feuerball gemacht.

„Vejer braucht weder Ignoranz noch Leid, um ein Touristenziel zu sein,“ heißt es hingegen in einem offenen Schreiben der „Ecologistas en Acción“ (Ökologen in Aktion). Der Dachverband von 300 Umweltgruppen in Spanien kritisiert die Durchführung des Toro Embalao und, dass für das Spektakel noch dazu öffentliche Gelder verwendet werden. Der Versuch, Tierquälerei mit dem vermeintlichen wirtschaftlichen Nutzen für lokale Unternehmen zu rechtfertigen, sei nicht nur ein abgedroschenes Klischee, sondern offenbare auch einen Mangel an Sensibilität und Empathie für Tiere. In Spanien sind Tiere seit Januar 2022 gesetzlich als „fühlende Wesen“ anerkannt und gelten nicht mehr als bloße Gegenstände. Sogenannte Nutztiere sind jedoch weiterhin vom allgemeinen Tierschutz ausgenommen.


Mehr in meinen früheren Texten zum Thema „Feuerstier“:

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