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Roadtrip Berlin-Spanien, Teil 12

Der erste Abschnitt meines Roadtrips geht mit der Abreise aus El Gor zu Ende.

Abschied von El Gor, Abschnitt 1 meines Roadtrips endet.

Als ich am 1. Februar hier ankam, blühten die Mandelbäume. Es regnete und windete viel und war kälter als erwartet. Ich reise bei strahlendem Sonnenschein ab und nehme erstaunliche Erinnerungen mit.

Siamkatze Tina vorn, Wohnhaus hinten Mitte ©Rebecca Hillauer

Im Lauf der sechs Wochen, die ich in El Gor verbringe, hören die Mandelbäume auf zu blühen.

Stattdessen sehe ich nun das Lila von Lavendelbüschen und Wiesen, die mit gelb blühendem Geißblatt übersät sind. Zumindest lese ich, dass diese Pflanze nach der Mandelblüte in Andalusien blüht – und Raps, auf den ich getippt hatte, erst ab April. Jetzt ist es Mitte März. Ich halte mit dem Auto am Straßenrand vis-à-vis des kleinen Gemeindehauses von El Gor und lasse das Blütenmeer, die summenden Bienen und den sanften Wind eine Weile um mich herum tanzen.

Im Gegensatz zu den leuchtenden Farben der Blüten, die Bienen zur Befruchtung anlocken sollen, begegnen mir ebenso viele Tarnfarben in der Natur. Etwa das verwaschene graubraune Fell der zahllosen wilden Kaninchen, die kleine runde Höhlen in die Hügel bauen und ziemlich furchtlos vor den Nasen der Hunde über die Sandwege hoppeln. Auch Tina, die junge Siamkatze, scheint die Farben der umgebenden Landschaft in ihrem Fell mit sich zu tragen, wenn sie die beiden Hunde und mich auf unseren Spaziergängen begleitet und neben uns die erdigen Feldraine entlang trapt. Ab und zu bleibt sie zurück, kuschelt sich in eine Erdmulde und wartet, bis wir auf dem Rückweg wieder vorbeikommen. Die Farben ihres Felles gehen so nahtlos in die des trockenen Erdbodens über, dass sie mich jedes Mal überrascht, wenn sie aus ihrer Mulde springt, um uns zu begrüßen.

Auf einem Spaziergang kann ich beobachten, wie Tina feinsäuberlich die festen Reste ihrer Morgentoilette unter Sand verbuddelt.

Tina in Tarnfarben ©Rebecca Hillauer
Morgentoilette ©Rebecca Hillauer

Oft ist es einfach die Stille um uns herum beziehungsweise sind es die Geräusche der Natur und des Landlebens, die mich berühren und mir innere Ruhe verleihen. Ein Hahn kräht. Eine Taube gurrt. Tina sitzt auf einem Stromverteilerkasten und blickt neugierig in die Gegend.

Morgenstille ©Rebecca Hillauer

Außer den drei Tieren im Haus füttere ich auch einige Straßenkatzen. Da ist einmal „Mama Katze“, die die Hausbesitzer sogar sterilisieren ließen. Sie ist meist in Begleitung eines schwarz-weißen Katers (warum ich denke, dass es ein Kater ist, ist mir im Augenblick schleierhaft), seltener ist noch eine dritte weiß-schwarze Katze mit ihnen, nennen wir sie geschlechtslos, die ein dünnes ledernes Halsband trägt, also ein Zuhause hat. Obwohl Zak und Florka, die beiden Hunde im Haus, mit Katze Tina zusammenleben, geraten sie jedes Mal außer Rand und Band, wenn sie die „wilden“ Straßenkatzen sehen. Wenn die Glasscheibe des Wintergartens zwischen den Tieren ist, bleiben die Katzen draußen völlig gelassen, während die Hunde im Haus immer aufgeregter werden und die Katzen verbellen – Schäferhund-Senior Zak tief und heißer sowie die kleine Florka schrill und hoch.

Zak auf seinem Lieblingssofa ©Rebecca Hillauer
Florka und Zak verbellen Straßenkatzen ©Rebecca Hillauer

So viele Momente der Heiterkeit, des In-Mich-Gehens und des Staunens.

Tina bei meiner Abreise ©Rebecca Hillauer

Tina beschert mir noch ein überraschendes und wunderschönes Abschiedsgeschenk. Als ich zu meinem Auto gehe um loszufahren, sitzt sie auf der Motorhaube, als wolle sie „Tschüss“ sagen. Vielleicht will sie auch nur auf Nummer sicher gehen, dass ich wirklich losfahre, haha. Natürlich ist es einfach einer dieser wunderbaren Zufälle im Leben. Er macht mich in diesem Moment sehr glücklich.

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