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Roadtrip: Die Farben Andalusiens

Mein Landleben in El Gor in Andalusien

Mein Alltag auf dem Land: Berauscht von der Natur

Inzwischen bin ich bereits einen Monat hier in El Gor und genieße jeden Tag, trotz der vereinzelten Widrigkeiten, die das Landleben mit sich bringt. Wäre ich lieber in New York City? Ein entschiedenes „NEIN!“

Orangenbaumhain auf dem Nachbargrundstück ©Rebecca Hillauer

Jeder Tag hier in El Gor birgt neue Überraschungen. Einen zwölfstündigen Internet-Blackout zum Beispiel. Dass es hier keinen Handyempfang gibt, wusste ich, bevor ich mich entschied, hierher zu kommen. Dieses Phänomen ist mir ja aus ländlichen Gebieten in den USA bekannt. Dass aber auch das Modem hier in El Gor regelmäßig Neustarts braucht, hatte ich so nicht erwartet. Schwamm drüber, die Gegend ist toll und ich genieße den Aufenthalt. Den halbtägigen Internet-Blackout nutzte ich dazu, ein Exposee zu schreiben, das schon lange auf meiner To-Do-Liste stand.

Wer denkt, Spanien sei ja immer warm und sonnig, der irrt. Südlich von Madrid, das ist immerhin die Hälfte des Landes, sind die Häuser garantiert nicht unterkellert, Zentralheizung ist nicht die Norm, und auch einen Kamin hat nicht jeder. Die Besitzer des Hauses, in dem ich zur Zeit wohne, zum Glück schon. Wenn es kühl genug ist, schichte ich im kleinen Gusseisen-Ofen Zweiglein auf Zweiglein, darauf etwas größere Scheite und dann noch größere… bis das Feuer hinter der Glasscheibe so richtig herzhaft flackert und sich darunter langsam eine orangerote Glut bildet.

Wenn es wärmer ist, setze ich mich im verglasten Vorbau an den kleinen Holztisch, klappe mein Notebook vor mir auf – und fertig ist der zweite Arbeitsplatz. Von dort kann ich auf das Zitronenbäumchen vor dem Haus blicken und im Hintergrund die mit prallen Orangen beladenen Bäume im Nachbarsgarten sehen. Wie können so kleine Bäume so viele Früchte tragen? Auch der Jasmin blüht jetzt im Hof. Ich liebe den Duft und stecke beim Vorbeigehen immer wieder meine Nase in den Blütenrausch, um mir eine Dröhnung davon zu holen.

Jasmin im Hof ©Rebecca Hillauer

Zu den erfreulichen Überraschungen des Alltags gehören auch die immer wieder neuen Eindrücke bei den Spaziergängen mit den Hunden. Vorgestern lag eine dicke Decke Nebel über den wunderschönen Orangenbäumen, als wir zu unserem Morgengassigang starteten. Auch die Rambla ließ mich mehr an das schottische Moor denken als an das mediterrane Andalusien.

Nicht zu vergessen die vielen, dem wörtlichen Ausdruck entrückten Sonnenauf- und Sonnenuntergänge, die die Landschaft um mich herum in Farben tauchten, die ich mit einem „Photoshop“ abgetun würde, wenn ich sie nicht mit eigenen Augen gesehen – und fotografiert – hätte.

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