Ein Roadtrip aus Tierliebe und Abenteuerlust
Kaum bin ich in meiner alten Heimat Berlin gelandet, bin ich auch wieder weg. Ein Roadtrip nach Südspanien mit meinem alten VW Polo. Meine Ziele sind ein Tierheim und eine Reportage über Galgos, die spanischen Windhunde.

Während buddhistische Mönche für den Frieden durch die USA pilgern und Donald Trump versucht, Grönland zu annektieren, mache ich mich zu einer ganz persönlichen Pilgerreise auf.
Von St. George. Utah, ging es für mich über einen Zwischenstopp in San Antonio, wo ich am 20. April letzten Jahres gestartet war, wieder zurück über den großen Teich. Nach Europa. Deutschland empfing mich mit Schnee und Minustemperaturen. Am Frankfurter Flughafen musste das Flugzeug vor dem Start nach Berlin erst mit einer Schneefräse vom Schnee befreit werden.
In Berlin war ein ganzer Bezirk – einer der wohlhabenderen – tagelang ohne Strom. Die linksextreme „Vulkan-Gruppe“ bekannte sich zu dem Anschlag auf die Stromleitungen. Die Nachrichtensprecher in Fernsehen und Radio warnten vor „Schneeverwehungen“, doch letztendlich fielen nur bis zu 20 Zentimeter Neuschnee. Trotzdem bekamen Kinder schulfrei, und in einigen Städten lag der öffentliche Nahverkehr lahm. Ich erinnere mich, dass mir als Kind der Schnee mitunter bis an die Schultern reichte – und ich riesigen Spaß daran hatte, Schneeburgen zu bauen. Sind die Deutschen solche „Schneeflocken“ geworden – oder ist die Infrastruktur inzwischen so marode? Wir sind Kälte zur Winterzeit einfach nicht mehr gewohnt. Ich fände es toll, wenn wir wieder richtige Winter hätten.
Berlin ist für mich Rückkehrerin und Zwischenstopperin irgendetwas zwischen vertraut und fremd. Zum ersten Mal wohne ich als Tiersitter in einem anderen Stadtteil als dem gewohnten und in einer Wohnung, die nicht meine ist. Sie liegt ganz in der Nähe, wo eine verstorbene Freundin lebte, was viele Erinnerungen hoch spült. Andererseits bin ich so beschäftigt damit, in nur sechs Tagen alles Notwendige zu erledigen, dass die Zeit schneller als im Raumschiff bei einer Erdumrundung vergeht.
Es sind wieder Plusgrade und schüttet eimerweise Wasser vom Himmel, als ich dann an einem Mittwoch noch vor Sonnenaufgang losfahre.



Google Map nach liegen mindestens 2630 Kilometer vor mir. Wenn ich amerikanische Maßstäbe anlege, ist das ein Klacks. Anders in Europa. Und noch viel anders, wenn ich berücksichtige, dass mein Auto, das übrigens eine „Sie“ ist, aber auf den Spitznamen „roter Blitz“ hört, bereits etliche Jährchen und Strecken hinter sich gebracht hat. Das Fließband verließ sie, fertig montiert, im September 1991. Sie geht also auf ihren 35. Geburtstag zu. Repararturmäßig war sie die ganzen Jahre über sehr genügsam. In einer Neujahrsnacht warfen Unbekannte Feuerwerksböller in ihr Inneres. Der Polizist, der mich in den frühen Morgenstunden aus dem Bett klingelt, um mir die Neuigkeit zu verkünden, nennt die Täter „Asoziale“, weil sie sich „das älteste Auto in der ganzen Straße ausgesucht“ hätten. Windschutscheibe und Heckscheibe zersplitterten, und das Polster des Beifahrersitzes verkokelte in der äußeren Ecke. Ich bedecke die bleibende Wunde mit einer grauen Decke, die farblich zum dezenten Muster des Polsters passt. Die Scheiben ließ habe ich erneuern, sie waren meiner Erinnerung nach der größte Ausgabenposten, den mir die treue Gefährtin verursacht hat, seitdem ich sie an meiner Geburtstagsfeier vor zwanzig Jahren zugesprochen bekam – für 100 Euro. Ich sage noch heute, das war MEIN Geburtstagsgeschenk. Dank an den Freund, der dies ermöglichte.
Nun also ein gemeinsamer Roadtrip nach Südspanien. Die ersten zwei Etappen auf der Autobahn passieren ohne große Ereignisse. Wiedersehen mit Familie bei Nürnberg und ein leider viel zu kurzer Aufenthalt bei einer Freundin in der Nähe von Karlsruhe. Von dort düsen wir bei relativ mildem und sonnigen Wetter auf der Autobahn bis kurz vor Basel, um dann rechts abzufahren und über den Rhein auf die französische Seite zu wechseln. Nun geht der abenteuerliche Teil unseres Roadtrips richtig an.

Klar, ist Abenteuerlust dabei. Wenn schon Europa, dann wenigstens auf unbekannte Weise. Denn in Spanien war ich noch nie. Hatte mich einfach nic interessiert. Und würde es vermutlich auch weiterhin nicht, wenn es nicht die spanischen Windhunde, die Galgos, gäbe, und das, was Jäger und Züchter ihnen antun. (Ich verweise auf meine früheren Texte und Berichte.) Ich werde bei einem kleineren Windhund-Tierheim ehrenamtlich mitarbeiten, wenn das grausame Töten der Hunde beginnt, und hoffe, dass ich für die Betreiber eine nützliche Unterstützung sein werde. Glückspilz, die ich bin, habe ich ganz in der Nähe einen Job als Tiersitterin gefunden, der mir erlaubt, zwischen diesem temporären Zuhause und dem Tierheim zu pendeln. Soweit der Plan. Mal sehen, wie der roten Blitz sich auf den Straßen so macht.
Nächste Station: Dijon, Frankreich