Impressionen abseits des „Strip“ und Trubels

Das Viertel, in dem ich eine Woche lang in Las Vegas wohne, gilt als „historisch“. Gegründet 1947. Die Häuser sind Bungalows im Ranch-Stil. Nur 15 Autominuten bis zum Stadtzentrum und „Strip, doch hier ist es ruhig und kleinstädtisch.
Biegt man vom vielbefahrenen Rancho Drive in die beschauliche Mason Avenue ein, sagt einem ein grabsteinartiger Felsblock auf einer schmalen Verkehrsinsel, dass man nun in die „McNeil Estates“ fährt. Die meisten der rund 500 Häuser im „McNeil-Viertel“ stammen aus den 1950 und 60er Jahren. Ich sehe viele Palmen und Vorgärten mit künstlichem Rasen, aber auch das genaue Gegenteil – liebevoll dem natürlichen Ambiente angepasste Kakteen-Gärten. In der aktuellen Weihnachtszeit mitunter mit der entsprechenden Deko…


Die meisten Bewohner hier im Kiez gehören der gehobenen Einkommensschicht an und haben außer schmucken Häusern auch – zumindest für eine Großstadt – relativ große Grundstücke. Um die Ecke wohnt ein Freund der Familie, der ehemaliger Architekt war in den 1980er und 1990er Jahren bei den Entwürfen so mancher Hotel&Casinos wie etwa dem Bellagio und dem Treasure Island federführend. Während meines Aufenthalts werden zwei Autos von Nachbarn auf der gegenüberliegenden Straßenseite gestohlen. Die Überwachungskamera einer Nachbarin zeichnet ein paar zwielichtige Gestalten auf, wie sie im Morgengrauen aus „unserem“ Grundstück schleichen. Als ich davon höre, beschleicht mich ein mulmiges Gefühl, denn vom hinteren Garten kann man mühelos ins Schlafzimmer blicken, wo Alan, der Chihuahua, auf den ich die Woche über aufpasse, und ich zu der Zeit arglos schliefen.
Manche Straßenzüge sind bestanden mit üppigen Laubbäumen, die sich jetzt im Winter sogar gelb färben. Ganz in der Nähe, im Bob Baskin Park, wohin ich mit Alan jeden Tag Gassi gehe, gibt es Tennisplätze sowie einen Spielplatz und Grünflächen für Familienpicknicks – aber auch viele Obdachlose.





Immer wieder ziehen schnittige, top gepflegte und glänzende Oldies meine Blicke an. Darunter nicht nur Ford, sondern auch Porsche und ein orangefarbener VW-Käfer. Manche Autos tragen auch prägnante Botschaften ihrer Besitzer in die Welt. „Zu beschäftigt“ sagt einer, der offenbar der Welt des „Corporate America“ verpflichtet ist, also dem turbokapitalistischen Unternehmertum, während eine Autofahrerin von sich gibt, sie sei „Nur ein Mädchen, das Jesus liebt“. Bekanntlich sind beide Weltanschauunge in den Vereinigten Staaten durchaus kompatibel.





In der Weihnachtszeit entfaltet das Viertel natürlich einen ganz besonderen Charme durch die vielfältigen Dekorationen – von geschmackvoll, heimelig bis „vielleicht doch etwas zu viel..?“.




Hier noch einige Bilder, die mir, aus welchem Grund auch immer – Farben, Stimmung, Ästhetik, Natur, Kuriosität – in Erinnerung geblieben sind.





