Las Vegas konfrontiert mich mit einer traurigen Erinnerung.
Überdimensionierte Hotels, bombastische Shows und Casinos, die am Ende immer gewinnen. Eine Kunstwelt mitten in der Wüste. Ich bin hierher gekommen, um eine Freundin wiederzusehen und um auf zwei kleine Hunde aufzupassen.

Es ist schwierig, mit dem Bloggen Schritt zu halten, wenn das Leben die Kontrolle übernimmt und mir jeden Tag neue Eindrücke und Begegnungen beschert.
Wo nehme ich den Faden auf?
Ich versuche es - wieder einmal – vom Ende her. Vielleicht schaffe ich es dieses Mal, den Bogen zu spannen.
Ich habe mich gerade von dem süßen Chihuahua Alan verabschiedet, den ich für eine Woche gehütet habe, und der trotz seiner zehn Hundejahre seinem Ball immer noch nachjagt wie ein Welpe.




Als ich in seinem Zuhause in Las Vegas ankam, war Alan noch mit seinem drei Jahre älteren, ebenso kleinen „Bruder“ Obie zusammen, der nicht nur ein Therapiehund, sondern sogar Darsteller in einer Hollywood-Serie gewesen war. Nun, im fortgeschrittenen Hundealter, muss Obie wegen Herzproblemen allerlei Pillen einnehmen, ist ansonsten jedoch putzmunter und genießt die täglichen Spaziergänge zum nahen Park. Am Tag nach meiner Ankunft führe ich ihn an der Leine, während seine Besitzerin Alan nimmt. Gegen Abend jedoch beginnt Obie dann, so stark zu husten, dass seine Besitzerin nachts mit ihm zur Notaufnahme fährt. Am nächsten Tag begleite ich sie zur Tierärztin, die einfühlsam mitteilt, Obies Gesundheitszustand werde sich weiter verschlechtern. So ist es auch. Der arme kleine Kerl röchelt, wenn er hustet, und klingt fürchterlich. „Wir müssen eine Entscheidung treffen“, höre ich seine Besitzerin sagen. Ich begreife, was sie meint, bin aber doch erstaunt, als sie mir am nächsten Morgen mitteilt, dass sie für 9 Uhr 30 einen Termin vereinbart habe, um Obie einschläfern zu lassen. Er solle nicht leiden. Eine so schnelle Entscheidung habe ich nicht erwartet. Bevor sie ihn zur Tierärztin bringt, streichele ich Obie noch eine ganze Weile, während er genussvoll auf dem Rücken liegt und mir seinen kleinen Bauch entgegen reckt. Was für ein putziger Kerl!
Es ist sehr traurig und erinnert mich an die Erfahrung vor zwei Jahren, als ich die Hündin Charlotte für eine Operation in eine Tierklinik in Montana brachte. Als der Tierarzt dabei entdeckte, dass ihr Tumor bösartig war, schläferte er sie ein, während sie noch unter Narkose lag. So war es mit den Besitzern vereinbart worden. Ich sehe heute noch Charlotte vor mir, wie sie mir nachblickte, als ich sie in der Klinik zurückließ. Ihr Blick wird mir vermutlich immer im Gedächtnis bleiben. Und so lange werde ich mir vorwerfen, dass ich nicht bei ihr geblieben bin. Die Besitzer und ich waren davon ausgegangen, dass ich sie nach der Operation wieder mit nach Hause würde nehmen können. Wir hatten uns getäuscht. Jedes Mal, wenn ich in den nächsten vier Wochen, die ich noch in der Gegend blieb, an jener Tierklinik vorbei fuhr, brach ich in Tränen aus. Sollte ich jemals wieder in eine ähnliche Situation geraten, weiß ich, was ich tun werde: Ich bleibe bei dem Tier – bis zur letzten Minute.