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Pionierin der Solartechnik

Vor 125 Jahren wurde die Pionierin der Solartechnik, Mária Telkes, geboren.

125. Geburtstag der Biophysikerin Maria Telkés

Am 12. Dezember 1900 in Budapest geboren, wurde Mária Telkes in den USA als „Sonnenkönigin“ berühmt. Während des Zweiten Weltkriegs entwickelte sie einen tragbaren Solar-Destillierapparat, der Meerwasser in Trinkwasser umwandelte, und 1948 eines der ersten solarbeheizten Wohnhäuser.

Mária Telkes / Wikipedia

Nachdem Mária Telkes 1924 ihren Doktortitel in physikalischer Chemie erhalten hatte, wanderte sie mit 24 Jahren in die USA aus. Dort wurden die Möglichkeiten von Solartechnik zu jener Zeit in Wissenschaftskreisen bereits heiß diskutiert. Ab 1939 arbeitete Telkes am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde sie dem U.S. Office of Scientific Research and Development (Bundesamt für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung) zugewiesen und beauftragt, eine portable Lösung zu entwickeln, die US-amerikanische Soldaten im Einsatz vor Dehydrierung schützen sollte. Telkes erfand daraufhin ein mobiles Solar-Destilliergerät. Das einfache, aufblasbare Gerät bestand aus durchsichtiger Plastikfolie: Darin verdampft Meerwasser durch das Einwirken von Sonnenlicht, wird somit entsalzt und zu Trinkwasser umgewandelt. Die mobile Entsalzungsanlage wurde Teil der medizinischen Notfallausrüstung des US-Militärs und rettete unzähligen abgestürzten Piloten und schiffbrüchigen Seeleuten das Leben.

Nach dem Krieg berief das MIT Telkes zur Dozentin für Metallurgie. Gemeinsam mit der Architektin Eleanor Raymond entwickelte sie 1948 das nur mit Solarenergie beheizte Dover Sun House. Dabei verwendete sie ein chemisches System zur Speicherung der Sonnenwärme – ein Konzept, das seiner Zeit weit voraus war: Das Gebäude in Dover, US-Staat Massachusetts, war eines der ersten Wohnhäuser weltweit, bei denen ein passives Solarenergiekonzept verwirklicht wurde, d.h. es kam benötigte auch ohne aktive photovoltaische Elemente keine Heizung – und funktionierte sogar bei bewölktem Himmel: Die 18 Fenster waren mit doppelseitiger Verglasung ausgestattet, so dass die Luft dazwischen durch Sonnenlicht erwärmt wurde. Die warme Luft wurde mithilfe von Ventilatoren in Lagerbehälter mit Glaubersalz transportiert, da Glaubersalz wärmespeichernde Eigenschaften hat. Diese Lagerbehälter wurden unsichtbar für die Bewohner in Wänden verbaut.

Mária Telkes und Eleanor Raymond vor Dover Sun House / Wikipedia

Am Heiligabend 1948 zogen Verwandte von Telkes in das Haus ein. Nach drei Jahre traten jedoch Probleme mit der Technik des Heizsystems auf. Durch die hohen Temperaturen wurden mit der Zeit die Dichtungen porös, und die Kollektoren verloren deutlich an Leistung. Das Glaubersalz war zudem nicht stabil und musste jährlich gewechselt werden. Das führte dazu, dass die Tanks mit dem Salz schnell rosteten und undicht wurden. 1954 wurde das solare Heizungssystem durch einen konventionellen Ölofen ersetzt. 2010 wurde das Haus abgerissen.

Maria Telkes ließ sich durch solche Rückschläge nicht entmutigen, sondern forschte unbeeindruckt weiter. Sie steht damit für einen Pioniergeist, der in den USA häufig anzutreffen ist und dort auch gefördert wird – anders als in Deutschland. „Telkes steht dafür, dass nachhaltige Lösungen entstehen, wenn Vision und Pragmatismus sich begegnen“, meint Carl Schmidt-Ehemann. Der Geschäftsführer von SEP Consulting in Frankfurt am Main sieht die ungarisch-amerikanische Biophysikerin heute noch als eine „Mutgeberin“ der Branche, Innovation zu wagen. Die Firma hat Telkes daher auch eine Webseite als „Innovator of the Month“, also Erfinderin des Monats, gewidmet.

Dabei ging es Mária Telkes nicht nur um den technologischen Fortschritt: Sie war überzeugt, dass Energieinnovationen den Menschen im Alltag zugute kommen sollten – insbesondere den Frauen, die zu jener Zeit noch mit verrauchten Küchen und unzureichender Heizung zu kämpfen hatten. 1952 nahm Telkes deshalb den Auftrag der Ford-Stiftung an, einen Solarkocher zu entwickeln, der in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen sollte. Die grundlegende Bauweise des Ofens wird bis heute eingesetzt. Sie selbst musste sich während ihrer gesamten Karriere gegen Vorurteile als Frau in einem damals noch männerdominierten Beruf durchsetzen. Darüber sprechen in der 114. Folge des englischsprachigen Podcasts „What’s her name“ die beiden Wissenschaftlerinnen Katie Nelson and Olivia Meikle mit der Produzentin sowie der Regisseurin der PBS-Dokumentation „The Sun Queen“.

Aufgrund ihrer bahnbrechenden Entwicklungen im Bereich der Solarenergie erhielt Telkes den Spitznamen „Sonnenkönigin“. Sie erhielt auch zahlreiche Auszeichnungen. Mária Telkes starb vor dreißig Jahren, am 2. Dezember 1995, in Cleveland, Ohio. Bis dahin hatte sie zwanzig Patente auf ihren Namen angemeldet. Ihre Arbeit legte den Grundstein für viele der heutigen Solartechnologien – von Heizsystemen für Wohnhäuser bis hin zur großtechnischen Stromerzeugung.

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