2. Dezember: Welttag für die Abschaffung der Sklaverei
Während der Westen seine Verbrechen der Sklaverei weitestgehend bereut, wird das Thema in der arabisch-muslimischen Welt totgeschwiegen. Ein Senegalese fordert eine Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels. Ein Gastbeitrag.

Von Volker Seitz
Die Arabomuslime haben die schwarzen Völker Afrikas vom 7. bis zum 20. Jahrhundert überfallen. Fast 1.000 Jahre lang waren sie die einzige fremde Macht, die diesen grauenhaften Handel betrieb. Sie deportierten über zehn Millionen Afrikaner, bevor die Europäer auf der Bildfläche auftauchten. Insgesamt 17 Millionen Menschen wurden versklavt, von denen die meisten aufgrund von Massenkastrationen keine Nachkommen hinterließen.
Während der Westen, Europa und die USA die Verbrechen der Sklaverei bereuen, dafür büßen und nicht müde werden, sich zu entschuldigen, ist das Thema in der arabisch-muslimischen Welt nach wie vor tabu. „Ein sowohl obskures als auch sensibles Thema“, nannte es der britische Orientalist Bernard Lewis, „das allein bei seiner Erwähnung als Zeichen feindlicher Absichten empfunden wird“, schrieb Wolfgang Koydl in der Schweizer „Weltwoche„. Der Historiker Egon Flaig nannte es „das größte und langlebigste sklavistische System der Weltgeschichte“.
Das arabische Wort „Abid“, dt. Sklave [ausgesprochen „Abd“, oft in Verbindung mit dem bestimmten Artikel in der Bedeutung „Sklave von bzw. des“, Anm. der Blogbetreiberin], wurde ab dem 8. Jahrhundert mehr oder weniger zum Synonym für schwarze Menschen. Offiziell abgeschafft wurde der Sklavenhandel in einigen arabischen Ländern erst im 20. Jahrhundert, wie 1962 in Saudi-Arabien oder 1980 in Mauretanien, wo es aber noch immer sklavenähnliche Verhältnisse geben soll. Im Jahr 2010 schrieb der äthiopische Schriftsteller Hama Tuma in einem Essay über arabischen Rassismus: „Arabischer Rassismus gegenüber Afrikanern war zu lange ein Tabuthema angesichts des Umstands, dass es politisch unkorrekt ist, das Offensichtliche auszusprechen: Dass Araber, die meisten von ihnen Muslime, durch und durch rassistisch eingestellt sind und Afrikaner, egal ob Muslime oder Christen, als minderwertig betrachten.“
„Stereotype Schwarzweißmalerei“
Den grausamen Handel beschreibt der senegalesische Ökonom und Anthropologe Tidiane N’Diaye in seinem exzellent recherchierten Buch „Der verschleierte Völkermord – Geschichte des muslimischen Sklavenhandels“ (im Original: „Traite négrière arabo – muselmane – Le génocide voilé“, Gallimard, 2008). Dieses mutige Buch ist in Frankreich immer noch frei verkäuflich als Taschenbuch (Folio) zum Originalpreis von 8,70 Euro. Die deutsche Übersetzung von Rowohlt von 2010 ist vergriffen und wird von Antiquariaten mit bis zu 600 Euro angeboten.
Normalerweise würde das jeden Verlag veranlassen, eine neue Auflage herauszubringen. Nicht jedoch in diesem Fall. Soll uns aus falsch verstandener Rücksichtnahme ein Buch vorenthalten werden, so dass wir uns keine eigene Meinung bilden sollen? Es ist ein Symptom unserer Zeit. Kritik am muslimischen Sklavenhandel wird auf dem Altar, möglicherweise Gefühle der Muslime zu verletzen, geopfert.
Vielleicht ließ sich der Verlag von Kritiken wie in der FAZ, wo der Afrikahistoriker Andreas Eckert das Buch als „stereotype Schwarzweißmalerei“ verriss und die Stadtbücherei Münster in ihrem Katalog die „zwiespältige, weil grob vereinfachende Darstellung der Geschichte des arabisch-muslimischen Sklavenhandels“ kritisierte. Wenn das Werk eine „stereotype Schwarzweißmalerei“ ist, warum ging der Rezensent inhaltlich nicht auf N’Diayes Ausführungen und die zitierten zahlreichen Quellen ein?1
Aber vor allem die eigentümliche Solidarität afrikanischer Forscher mit den Nachfahren ihrer Peiniger, die bislang ausschließlich den europäischen Sklavenhandel thematisieren, kann der Verfasser des Buches nicht begreifen. Bemerkenswert, dass der Autor auch den afrikanischen Anteil an diesem Blutzoll nicht verschweigt. N‘Diaye nennt zahlreiche arabische, afrikanische und europäische Quellen, allerdings leider ohne Stichwortverzeichnis. Da das Buch auch in einigen Bibliotheken verschwunden ist, lohnt ein Blick in das für deutsche Leser offenbar gefährliche Buch. Die folgenden Zitate stammen aus dem französischen Original.
Was hat der skandalös selbstständig denkende Autor geschrieben?
(1) Présentation/Vorwort des Autors: „Des millions d’Africains furent razziés, massacrés ou capturés, castrés et déportés vers le monde arabe-muselman. Cela dans des conditions inhumaines, par caravanes à travers le Sahara ou par la mer, à partir des comptoirs à chair humaine de l’Afrique orientale.“
(„Millionen Afrikaner wurden überfallen, niedergemetzelt, gefangen genommen oder kastriert und unter unmenschlichen Bedingungen karawanenweise quer durch die Sahara oder, von den ostafrikanischen Kontoren für menschliche Ware aus, über den Seeweg in die araboislamische Welt deportiert.“)
(2) „Car avec eux ont pénétré et leur religion et leur mépris du Nègre…“
(„Denn sie brachten nicht nur ihre Religion, sondern auch ihre Verachtung für den Neger mit.“)
(3) „Alors que la traite transatlantique a duré quatre siècles, c’est pendant treize siècles sans interruption que les Arabes ont razzié l’Afrique subsaharienne.“
(„Hatte der transatlantische Sklavenhandel vier Jahrhunderte gewährt, so haben die Araber dreizehn Jahrhunderte lang den afrikanischen Kontinent südlich der Sahara ununterbrochen geplündert.“)
Keine Opferhierarchisierung
(4) „Loin de nous l’idée de vouloir communautariser l’histoire ou les Mémoires, ce qui serait la porte ouverte à une hiérarchisation victimaire. Mais force est de reconnaître que la dimension prise par la traite et l’esclavage qu’ont subis les peuples noirs dépasse en nombre de victimes, en durée et en horreurs tout ce qui avait précédé. Et dans la genèse de ces malheurs, historiquement, la traite négrière est une invention du monde arabe-musulman.“
(„Es geht überhaupt nicht darum, die Geschichte oder die Erinnerungskulturen ethnischen Kategorien zuzuordnen, weil damit der Opferhierarchisierung Tür und Tor geöffnet werden würde. Doch übertrafen Sklavenhandel und Versklavung auf dem Schwarzen Kontinent alles, was es jemals vorher gab, an Opferzahlen, Dauer und Schrecken. Und in der Erinnerungsgeschichte dieses Unheils ist der Sklavenhandel historisch gesehen eine Erfindung der arabomuslimischen Welt.“)
Entmenschlichung
(5) „Les Arabes, bien avant les Européens, allaient ainsi opérer une interminable guerre sainte avec ses razzias sanglantes, ruiner les populations, pour la grande gloire des harems d’Orient. Cette traite fournissait des enfants, des femmes et des hommes tirés de l’intérieur du continent noir.“
(„Lange bevor die Europäer in das Sklavengeschäft einstiegen, führten die Araber einen endlosen Heiligen Krieg mit blutigen Razzien, die, um der Pracht orientalischer Harems willen, ganze Bevölkerungsgruppen, Kinder, Frauen und Männer aus dem Herzen des Schwarzen Kontinents ins Unglück stürzten.“)
(6) „Par example, a la cour du roi Mtéza (Henry Morton) Stanley rapporte que, pour satisfaire un simple caprice le monarque faisait couper les tètes de quelques centaines de ses captifs. Quant aux femmes qui composaient sa maisonnée, il ne se passait pas de jour où une ou deux de ses malheureuses n’étaient conduites, une corde enroulée autour du poignet, traînées ou tirées par les gardes du corps, vers l’abattoir.“
(„Stanley berichtet beispielsweise, dass der Monarch am Hofe Mteza aus einer einfachen Laune heraus einige hundert Sklaven köpfen ließ. Es verging kein Tag, an dem nicht Frauen seines Hauspersonals am Handgelenk gefesselt, zu ihrer Hinrichtung geschleppt oder gezerrt wurden.“)
„Der schwarze Mensch zum Synonym für Knechtschaft“
(7) L’importation d’esclaves noirs sur une grande échelle modifiera l’attitude des arabo-musulmans envers les hommes à la peau sombre. Car, à partir du moment où l’Afrique subsaharienne devint la principale zone pourvoyeuse d’esclaves de la traite orientale, l’homme noir fut synonyme de servitude et, corrélativement, sa couleur de peau associée à un déni d’Islam.“
(„Der Import von schwarzen Sklaven in großem Umfang änderte die Haltung der Araber und Muslime gegenüber Menschen mit dunkler Hautfarbe. Von diesem Zeitpunkt an , als Subsahara-Afrika zur wichtigsten Lieferquelle für den arabischen Sklavenmarkt wurde, der schwarze Mann zum Synonym für Knechtschaft und seine Hautfarbe zum Symbol der Islamverweigerung.“)
Arabische Eroberung und afrikanische Komplizen
(8) „En fait, ces négriers, berbères ou arabisants du Nord et autres Touaregs prenaient en otage les populations négro-africaines, tels des pirates. Du fonds de leur Sahara, ils se ruaient sur les villages sénégalais ou maliens, razziaient les femmes et les enfants avant de les transporter à travers le désert, au milieu d’indicibles souffrances, jusque dans les oasis qui bordaient leurs régions.“
(„Die Sklavenhalter, Berber oder Araber aus dem Norden und Touaregs, gingen gegen die schwarzafrikanische Bevölkerung wie Piraten vor. Sie kamen aus der Sahara, überfielen die Dörfer im Senegal oder Mali, raubten Frauen und Kinder, die unter unsagbarem Leid durch die Wüste in ihre Oasen verschleppt wurden.“)
(9) „Trop médiatisée par certains historiens, l’île de Gorée, au large de Dakar, est devenue le symbole de la traite européenne… Alors que l’île de Zanzibar – sans parler d’Ouidah au Bénin – fut pendant plus d’un siècle l’épicentre d’une traite plus importante que la ponction transatlantique.“
(„Von gewissen Historikern zu stark hochgespielt, wurde die vor der Küste von Dakar liegende Insel Gore zum Symbol des europäischen Sklavenhandels … Dabei war die Insel Sansibar, ganz zu schweigen von Ouidah in Benin, über ein Jahrhundert das Zentrum eines weitaus größeren Sklavenhandels.“)
(10) „On inculqua au captif que son salut dépendait du maître et que son accès au paradis était lié à l’obéissance à son maître. La soumission fut ainsi érigée en devoir religieux.“
(„Dem Sklaven wurde eingeschärft, dass sein Heil von seinem Herrn abhängig und sein Zutritt zum Paradies an den Gehorsam ihm gegenüber geknüpft sei. So wurde die Unterwerfung zur religiösen Pflicht gemacht.“)
(11) „Dans tous les pays africains où les chefs s’étaient convertis à l’Islam, le servage traditionnel fut généralement remplacé par la traite et l’esclavage, pratiqués en vertu d’un principe religieux où tous les infidèles devenaient hors la loi.“
(„In allen afrikanischen Ländern, in denen sich die Chefs zum Islam bekehrt hatten, wurde die allgemeine traditionelle Leibeigenschaft durch die Sklaverei ersetzt, die einem religiösen Prinzip untergeordnet wurde, das alle Ungläubigen zu Geächteten machte.“)
(12) „À l’interieur du continent, avec les monarques dahoméens, l’entreprise fur encore plus répugnante. Car ici l’islamisation n’explique pas la complicité: ils étaient pour la plupart animistes.“
(„Im Innern des Kontinents war dieses Verbrechen durch meist animistische Monarchen Dahomeys [heutiges Benin] noch abscheulicher, da sich hier die Mittäterschaft nicht durch die Islamisierung erklären lässt.“)
„Alles stand König Huffon im Überfluss zur Verfügung“
EXKURS: Robert Harms, Professor für Geschichte an der Yale University, hat in seinem Buch „Das Sklavenschiff“ das alltägliche Leben der Besatzung der Sklavenschiffe sowie die Mechanismen des Sklaven- und Warenhandels im 18. Jahrhundert rekonstruiert. Als wichtigste Quelle diente ihm dabei das Logbuch des Ersten Leutnants des Schiffes Durand aus den Jahren 1731/32, der erschreckend sachlich und emotionslos die Inhumanität beschreibt.
Hier wird ersichtlich, wie die Mitglieder der schwarzen Herrscherhäuser die europäische Oberschicht als ebenbürtig betrachteten. Der Riss ging nicht durch die verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen, sondern durch die Klassen und Schichten dieser Gruppen. So hatten die Afrikaner keinerlei Skrupel, Angehörige der eigenen Ethnie zu versklaven oder zu verkaufen:
„Obwohl Whydah (historischer Name für die Stadt Ouidah im heutigen Benin, früher Dahomey) ein Zwergstaat war, dessen Gesamtbevölkerung nicht mehr als 100.000 betragen haben kann, soll es im frühen 18. Jahrhundert 16.000 bis 20.000 Sklaven jährlich exportiert haben, und es hieß, dass von dort mehr Sklaven kamen als aus allen anderen westafrikanischen Ländern, die sich an diesem Handel beteiligten, zusammen. (…) Wenn es einen Ort in Afrika gab, der den transatlantischen Handel mit Sklaven im 18. Jahrhundert verkörperte, dann war es Whydah. (…)
Ein Grund dafür, dass König Huffon zuließ, dass sein Reich zu einem wichtigen Endpunkt für die Handelsrouten wurde, auf denen man Sklaven an die Küste trieb, war natürlich, dass der Menschenhandel eine wichtige Einnahmequelle für ihn und seinen Staat darstellte. Er erhielt 1.000 Kaurimuscheln für jeden Sklaven, der in Whydah den Besitzer wechselte. Außerdem strich er die Zollabgabe ein, die jedes europäische Sklavenschiff zu entrichten hatte; 1725 betrug sie 1.080 Kaurimuscheln und den Gegenwert von drei Sklaven. (…)
Die Gemächer dort [des Palastes von König Huffon, Anm. V. S.] waren üppig möbliert mit prächtigen Betten, gepolsterten Sesseln, Sofas und Spiegeln – genau wie jeder Herrschaftssitz in Europa. Die königlichen Speisekammern quollen über von importiertem Kaffee, Tee, Schokolade und köstlichen Gelees, und die königlichen Köche verstanden sich ebenso auf die Zubereitung der traditionellen Gerichte Whydahs wie auch auf die erlesensten europäischen Speisen. Im königlichen Weinkeller lagerten Weine aus Frankreich, Spanien, Madeira und von den Kanarischen Inseln sowie Cognac und andere exquisite Spirituosen aus Frankreich. Vor allem aber beherbergte der Palast die Frauen des Königs – mehr als 1.000 an der Zahl. Alles, wonach sein Herz überhaupt begehren konnte, stand König Huffon im Überfluss zur Verfügung.“
Abschaffung der Sklaverei als soziale Revolution
(13) „Malgré cela, dans le journal français Le Soleil de mai 1891, on pouvait lire: ‚L’esclavage officiellement proscrit en Tunisie, y fleurit en secret. Pourvu que les conducteurs de caravanes d’esclaves dissimulent adroitement, en les enfermant dans les sacs en alfa, les femmes et les enfants qu’ils ont à vendre. Pourvu surtout que pourboire donné aux employés indigènes de la douane tunisienne soit suffisant, on entre librement à Tunis et on déballe la marchandise dans quelque maisons connue des amateurs.’“
(Trotzdem war in der französischen Zeitung Le Soleil von Mai 1891 zu lesen:“ Die Sklaverei, obwohl in Tunesien offiziell verboten, floriert sie im Geheimen. Weil die Führer der Sklavenkarawanen die für den Verkauf vorgesehenen Frauen und Kinder in Halfasäcken verbergen. Solange das den einheimischen tunesischen Zöllnern gegebene Trinkgeld ausreichend ist, kann die Ware in einigen bekannten Häusern abgeladen werden.)
(14) „Y mettre fin aurait abouti à une révolution sociale, en obligeant les Arabes à accomplir eux-mêmes une multitude de tâches domestiques et de travaux agricoles qu’ils méprisaient traditionnellement. Les Anglais et les Turcs l’ont bien compris, qui longtemps encore ont toléré que les côtes restent largement ouvertes au commerce des captifs africains.“
(„Der Verzicht auf die Sklaverei wäre für die Araber einer sozialen Revolution gleichgekommen, die sie gezwungen hätte, von ihnen traditionell in Haus und Landwirtschaft gering geschätzte Aufgaben selbst zu übernehmen. Da sich die Briten und Türken dessen bewusst waren, tolerierten sie lange Zeit den Handel mit afrikanischen Sklaven entlang der afrikanischen Küsten.“)
(15) „L’esclavage étant validé et institutionnalisé par l’Islam, il eût été impie chez les Arabes de le remettre en cause. ‚L’esclavage en terre d’Islam reste un sujet à la fois obscur et hypersensible, dont la seule mention est souvent ressentie comme le signe d’une intention hostile‘, notait ainsi l’historien Bernhard Lewis.“
(Da die Sklaverei vom Islam gerechtfertigt und institutionalisiert wurde, durfte sie nicht infrage gestellt werden. Die Sklaverei auf islamischem Boden bleibt ein sowohl obskures als auch sensibles Thema, das allein bei seiner Erwähnung als ein Zeichen feindlicher Absichten empfunden wird“, schreibt – wie eingangs bereits erwähnt – der Historiker Bernhard Lewis.)
(16) „Par conséquent, s’il est difficile de trancher ce débat passionnel, on ne saurait ignorer, pour ce qui nous intéresse ici, que c’est la colonisation européenne qui mit entièrement fin à la traite arabo-musulmane.“
(„Trotz dieser emotional geführten Debatte sollte nicht vergessen werden, dass der arabomuslimische Sklavenhandel durch die europäische Kolonisierung beendet wurde.“)
„Zeit, auf diese dunkle Seite unserer gemeinsamen Geschichte zu blicken“
EXKURS: Der Althistoriker Egon Flaig schreibt in seinem Standardwerk „Weltgeschichte der Sklaverei“, dass die Welt die „Abschaffung der Sklaverei der europäischen Kultur“ verdanke. Nicht nur in den USA, sondern auch in Afrika musste die Abolition den Eliten gewaltsam aufgezwungen werden. „Nicht bloß, weil die einheimischen Eliten vom Versklaven und vom Sklavenhandel und -haltung profitierten, sondern weil einige staatliche Gebilde auf dem permanenten Versklaven beruhten.“
Tidiane N’Diaye schreibt: „Dieses selektive Schweigen über die Verbrechen an den Schwarzen und ihre Relativierung, um sich einzig auf den transatlantischen Sklavenhandel zu konzentrieren, zementiert die Erzählung von der vermeintlich ‚arabisch-afrikanischen Solidarität der Opfer‘ des westlichen Kolonialismus. Für Wissenschaftler und Historiker in diesen Ländern ist es an der Zeit, auf diese dunkle Seite unserer gemeinsamen Geschichte zu blicken. Ohne eine ehrliche und offizielle Anerkennung dieser Tatsachen kann keine Lehre aus ihnen gezogen werden.“
Dieser Text erschien erstmals auf Achgut. Ich habe ein paar Links und eine Fußnote hinzugefügt. Volker Seitz ist Botschafter a.D. mit 17 Dienstjahren allein in Afrika und Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann„, dtv, 2025 (Nachdruck), eines der wichtigsten Bücher der Entwicklungshilfe-Debatte.
Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Blogbetreiberin wieder.
- Eine positive Rezension erhielt das Buch im Jahr 2010 noch im Deutschlandfunk Kultur (Anm. der Bloginhaberin]. ↩︎