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„Beweise mir das Gegenteil…“

Gedanken und Beobachtungen zur Ermordung von Charlie Kirk

Gedanken und Beobachtungen zur Ermordung von Charlie Kirk

Charlie Kirk, Tampa 2025 / Gage Skidmore

Der Mörder des rechts-konservativen US-„Influencers“ Charlie Kirk ist offiziell gefasst. In Nachrufen und Kommentaren werden Hass, Verleumdungen und entstellte Zitate verbreitet. Ein ZDF- Korrespondent muss deshalb eventuell um sein USA-Visum bangen.

Ich wollte an diesem Sonntag eigentlich über eine weitere Etappe meiner Kanada-Reise berichten, aber ich mache mir wegen der Ermordung von Charlie Kirk in den USA selbst einen Strich durch die Rechnung.

Kurz bevor die tödliche Kugel ihn trifft, fragt jemand aus dem Publikum Charlie Kirk, ob er wisse, wie viele Massenschießereien es 2025 bereits in den Vereinigten Staaten gegeben hätte. Als „mass shootings“ werden in den USA alle Schusswaffenattentate gezählt, bei denen mindestens vier Menschen getötet werden. Statt eine bestimmte Zahl zu nennen, antwortet Kirk lapidar: „Zu viele“.

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich sei ein Follower von Charlie Kirk in sozialen Medien oder auf YouTube gewesen. Weder war noch bin ich ein glühender Fan noch ein leidenschaftlicher Hasser des 31-Jährigen, der am Mittwoch letzter Woche, dem 10. September, bei einer Open Air-Debatte an der Utha Valley University in Orem, US-Staat Utah, erschossen und heute, am Sonntag, in Glendale, Arizona, beigesetzt worden ist. Insbesondere auf Universitäts-Campus forderte er seine meist jungen Gesprächspartner mit dem Satz heraus „Beweise mir das Gegenteil“. Auf seinem YouTube-Kanal, wo er regelmäßig Ausschnitte aus diesen Debatten veröffentlichte, folgten ihm Millionen Nutzer. Weitere Millionen erreichte er mit seinem täglichen Podcast, der Charlie Kirk Show, die von der evangelikalen Salem Media Group produziert wurde. Als Geschäftsführer von Turning Point USA, einer gemeinnützigen Jugendorganisation für Politaktivismus, die er mitbegründet hatte, als er 18 war, führte Charles James „Charlie“ Kirk ein Millionen schweres Unternehmen. Er unterstützte Donald Trump bei beiden Präsidentschaftskandidaturen. Einige Kommentatoren sahen ihn bereits als Vize unter einem nächsten US-Präsidenten J.D. Vance.

Wie viele andere, habe ich aufgrund von Kirks Ermordung die Pro und Contra-Diskussion auf X verfolgt und YouTube-Videos von Kirks Auftritten und Diskussionen angesehen. Kritiker bemängeln, seine öffentlichen Diskussionen seien nicht „fair“ gewesen, sondern eine Propagandastrategie, da die Debattanten vorab ausgewählt worden seien. Kirk sei es bei seinen Debatten lediglich darum gegangen, seine ideologischen Gegner öffentlich zu demütigen und die eigene Botschaft als überlegen und wahr zu präsentieren. Vielleicht. Waren die Debattanten womöglich „gecastet“? Oder kann es wirklich sein, dass sich jemand vor Tausenden Zuschauern einer Diskussion mit Kirk stellt, um dann zugeben zu müssen, er würde Ilhan Omar und Alexandra Ocasio-Cortez nicht kennen – zwei der prominentesten linken Demokratinnen in den USA und Hassobjekt vieler Konservativer? Satiriker würden nun wohl anmerken, im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ sei bekanntlich alles möglich. Jedenfalls debattierte Kirk auch mit Fernseh- und Politgrößen, die durchaus informiert und eloquent genug waren, etwa dem linken Talkshow-Gastgeber Bill Maher. Kein Zweifel: Kirk hatte eine schnelle Auffassungsgabe, ein gutes Gedächtnis und die analytische Kompetenz und Eloquenz, seine Gedanken präzise zu formulieren. Während die meisten seiner Campus-Debattanten emotional argumentierten, blieb er äußerlich kühl, höflich und logisch folgernd.

Kirk war tief gläubiger Christ und Abtreibungsgegner, und wir hätten definitiv in vielen Punkten eine gegensetzliche Meinung vertreten. Doch wie groß die Differenzen auch sein mögen: Keine berechtigt dazu, einen anderen Menschen nur wegen seiner Weltanschauung ums Leben zu bringen. Der mutmaßliche Täter, der 22-jährige Tyler Robinson, soll aber genau das getan haben – Berichten zufolge nach eigenen Worten, weil Kirk seiner Ansicht nach „zu viel Hass verbreitete“. Wie viel Hass muss sich in Tyler selbst angestaut haben, um einen Mord zu begehen? Und wer hat ihm diesen Hass eingepflanzt? Ob er selbst den Widerspruch erkennt: einen anderen Menschen aus Hass umzubringen, weil der angeblich so viel Hass versprüht? Viele Posts und Kommentare zu Kirks Ermordung triefen ebenfalls von Hass und lassen jegliches Mitgefühl für das Mordopfer oder seine Witwe und zwei Kinder vermissen, sowohl auf sozialen und in etablierten Medien wie auch in der Politik.

Andererseits besaßen auch Demokraten wie Barak Obama und Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom den Anstand und die Menschlichkeit, ihre Bestürzung über den Mord auszudrücken. Der sozialistische ehemalige Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders war am klarsten: Er verurteilte auf X und in einer speziellen Videobotschaft kategorisch jegliche politische Gewalt.

Dass die Gemüter in den USA sich überhitzen, kann ich noch einigermaßen nachvollziehen, wenn auch nicht gutheißen. Aber auch in Deutschland sind in Politik und Medien, inklusive des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht belegte Behauptungen bis hin zu Verleumdungen über Kirk verbreitet worden. Der britische Telegraph findet, “Deutschlands Reaktion auf die Ermordung von Charlie Kirk war mehr als verstörend“. Haben die Kollegen und Kolleginnen nicht recherchiert? Viel Zeit hätten sie dafür nicht aufwenden müssen, wie ich nach meiner eigenen Recherche bestätigen kann. Sind die Kollegen und Kolleginnen womöglich mit Vorsatz oder Fahrlässigkeit ans Werk gegangen und haben damit journalistische Standards verletzt? ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen ist aktuell zum unrühmlichen Aushängeschild für diesen Vorwurf geworden.

Am 12. September 2025 fordert auf X @ZentraleV die Entlassung Theveßens. Dazu stellt er ein Video, das Charlie Kirk in Diskussion mit einem selbst erklärten Trump-Anhänger zeigt.

Kirk postete das Video am 22. November 2019 und schrieb:

  • Ich glaube, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden sollte.
  • Auch homosexuelle Menschen sollten in der konservativen Bewegung willkommen sein.
  • Als Christen sind wir dazu aufgerufen, alle Menschen zu lieben.
  • Ich werde mich immer gegen Menschen stellen, die ihre persönlichen Werte als Grund dafür nutzen wollen, andere aus unserer Bewegung auszuschließen.

Die Behauptung, Kirk befürworte die Steinigung von Homosexuellen, ist zig-fach als Argument gegen ihn vorgebracht und verbreitet worden. Elmar Theveßen, seit März 2019 ZDF-Korrespondent in Washington, wiederholte sie mehrfach, unter anderem in der TV-Talkshow von Markus Lanz. Das angebliche Zitat stammt aus einer Diskussion Kirks mit einer Kinderbuchautorin. Bei der Diskussion berief sie sich auf die Bibel, um Feierlichkeiten zum Pride Month bzw. Toleranz gegenüber der LGBTQ-Community mit dem biblischen Gebot der Nächstenliebe zu rechtfertigen. Worauf Kirk sinngemäß entgegnete, dass man dann auch Homosexuelle wieder steinigen müsste, denn das stehe im Alten Testament in dem Kapitel davor. Theveßens Arbeitgeber, das ZDF, räumt inzwischen ein: „Dieser Zusammenhang hätte deutlicher gemacht werden müssen. Elmar Theveßen bedauert, an der Stelle nicht ausführlicher gewesen zu sein.“ Richard Grenell, in der ersten Amtszeit Donald Trumps US-Botschafter in Deutschland, rief derweil in einem Tweet dazu auf, Theveßens Aufenthaltserlaubnis, sprich dessen US-Visum zu widerrufen und ihn des Landes zu verweisen.

Ganz leicht hätte Elmar Theveßen auch ein Video auf X entdecken können, in dem ein junger schwuler Konservativer mit Charlie Kirk diskutiert. Der sagt, er sei zwar mit schwuler Lebensweise nicht einverstanden, aber der junge Mann und er hätten politisch vermutlich viele ähnliche Ansichten. Das sei ausschlaggebend. Deshalb begrüße er ihn im Kreis der Konservativen.

Am 11. September 2025 schreibt @cwchris: „Dieser Clip hat meine Meinung geändert und mir klar gemacht, dass alle Linken sich in Bezug auf Charlie Kirk geirrt haben. Möge er in Frieden ruhen.“

Ist der als mutmaßliche Täter präsentierte Tyler Robinson wirklich der Todesschütze? Es wäre ein Wunder, wenn es über Charlie Kirks Ermordung keine Spekulationen gäbe. Mit Videoanalysen wollen einige nachweisen, dass die tödliche Kugel entgegen der FBI-Angaben nicht von links, sondern von rechts einschlug. Deshalb sei nach dem Schuss Kirks Körper auch nach links gefallen, und das Loch in seinem Hals, aus dem eine Fontäne Blut schoß, sei die Austrittswunde, nicht das Einschussloch. Steckt hinter dem Attentat gar der israelische Geheimdienst Mossad? So eine andere Theorie. Denn Kirk, zunächst ein überzeugter Unterstützer von Benjamin Netanyahu, hätte sich seit dem 7. Oktober zu einigen gewagten Aussagen verstiegen. In einem Interview mit PDB Podcast vom 12. Oktober 2023 stellt er die Frage in den Raum, wie es sein konnte, dass nach dem Hamas-Überfall auf das Supernova-Musikfestival die Terroristen an einer der am besten bewachten Grenzen der Welt stundenlang wüten konnten, ohne dass das israelische Militär eingegriffen habe. „Hatte jemand in der Regierung eine Stillhalte-Parole ausgegeben?“ Dies sei eine legitime Frage, die nichts mit Verschwörungstheorie zu tun hätte. In der Megyn Kelly Show vom 6. August 2025 verwahrt er sich gegen Vorwürfe, ein „Verräter“ zu sein. Er betont erneut nachdrücklich seine Unterstützung für Israel und seine Überzeugung, dass es zugleich möglich sei, israelkritisch und trotzdem „MAGA“ zu sein.

Eines ist sicher: Nach dem Mord an Charlie Kirk stehen sich die politischen Lager in den USA unversöhnlicher denn je gegenüber. Warnungen vor einem möglichen Bürgerkrieg werden wieder laut. Darauf bezieht sich am 12. September 2025 @aya_velasquez in ihrer Antwort auf einen Post von „Raven Samuelson“ auf der linken Platform BlueSky und auf einen Post von Elon Musk auf X. Sie macht dabei deutlich, wer für sie zu den Brandstiftern gehört. Und wen sie als die möglichen Nutznießer sieht, falls es zu einem Brand käme.

Mich persönlich interessiert seit dem 10. September vor allem die Antwort auf die Frage, woher der vermeintliche Attentäter so exzellent schießen konnte. Laut Ermittlern soll Charlie Kirk aus rund 180 Metern Entfernung mit einem einzigen Schuss tödlich am Hals getroffen worden sein. Der Festgenommene, Tyler Robinson, wuchs in Utah, dem Südwesten der USA, auf und soll dort gelernt haben, mit einem Jagdgewehr umzugehen. Reicht das als Voraussetzung dafür, um so gezielt zu treffen?

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