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80 Jahre Hiroshima

Vor 80 Jahren warfen die USA eine Atombombe auf Hiroshima

Die erste Atombombe, Tests auf indigenem Land und ein Bonsai

Hiroshima und Nagasaki mahnen vor den Grauen des Krieges. Die ersten Atombomben wurden auf indigenem Land getestet – mit verheerenden Folgen für deren Leben. Ein Bonsai hat die Hiroshima-Bombe bis heute überlebt.

Bonsai @Rainmaker1973 / X

Die Abwürfe

Es war 8 Uhr 15 am Morgen, als die Bombe über Hiroshima explodierte. Sie trug den Namen „Little Boy“ (Kleiner Junge), hatte eine Sprengkraft von etwa 15 Kilotonnen TNT und wurde von einem B-29 Flugzeug namens „Enola Gay“ abgeworfen, benannt nach der Mutter des Piloten. Die Boeing-Maschine war für ihre hohe Flughöhe, große Reichweite und die Fähigkeit, große Bombenlasten zu tragen, ausgelegt.

„Little Boy“ wurde aus einer Höhe von etwa 9.400 Metern abgeworfen und explodierte etwa 580 Meter über der Stadt. Diese Höhe wurde gewählt, um die Kraft der Explosion, der Schockwelle und der Wärmestrahlung zu maximieren, insbesondere um die überwiegend aus Holz bestehenden Gebäude der Stadt zu zerstören. Die Explosion erfolgte 43 Sekunden nach dem Abwurf und erzeugte einen riesigen Feuerball. In der Detonationszone erreichte die Temperatur am Erdboden mehr als 6000 Grad Celsius. Die intensive Hitze verursachte schwere Verbrennungen auf ungeschützter Haut in einer Entfernung von bis zu 3,5 Kilometern und verdampfte Menschen und Materialien in einem Umkreis von einer halben Meile. Sie schmolz Bronzestatuen und brachte Asphalt zum Kochen. Die gigantische Schockwelle zerstörte auch die umliegende Region. 70.000 Menschen waren auf der Stelle tot und rund 90 Prozent der Infrastruktur der Stadt zerstört. Bis Ende 1945 stieg die Zahl der Toten auf 140.000. Die Überlebenden, die als „Hibakusha“ bezeichnet werden, litten bzw. leiden bis heute unter Spätfolgen wie erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen und Leukämie.

US-Präsident Harry S. Truman befahl den Bombenabwurf kurz nach der Potsdamer Konferenz. Die Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 wurde offiziell als Dreimächtekonferenz von Berlin bezeichnet. Denn die drei Hauptalliierten des Zweiten Weltkriegs – USA, Sowjetunion und Großbritannien – berieten nach dem Kriegsende in Europa das weitere Vorgehen. Truman rechtfertigte den geplanten Bombenabwurf damit, dass eine Machtdemonstration Japan zur Kapitulation bewegen und einen kostspieligen Einmarsch überflüssig machen würde. So sei, betonte er später gegenüber US-Bürgern, auch das Leben von Hunderttausenden amerikanischer Soldaten gerettet worden. Hiroshima wurde als Ziel gewählt, weil die japanische Armee dort eine wichtige Kommandozentrale unterhielt. Die überwältigende Zahl der Einwohner waren jedoch Zivilisten.

Paul Tibbets, der amerikanische Bomben-Pilot, wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt und blieb bis 1966 in der Air Force. Seine Anhänger verehrten ihn als Nationalhelden, der den Krieg mit Japan beendet hatte, für seine Kritiker war er ein Kriegsverbrecher. Die US-Regierung entschuldigte sich 1976 bei Japan, nachdem Tibbets die Bombardierung bei einer Air Show in Texas nachgespielt hatte. 

Auf der Platform X zweifelt ein User an, dass die Bombe, die auf Hiroshima abgeworfen wurde, tatsächlich eine Atombombe war, „da es keinen radioaktiven Niederschlag gab … und sie die gleichen Gebiete ohne Probleme wieder aufbauten. Es waren Napalm- und Flächenbombardements in großem Umfang.“ Was ist dran an dieser Behauptung? Als Erklärung heißt es online, dass die Höhe der Explosion ausschlaggebend gewesen sei: „Die Atombombe explodierte 600 Meter über Hiroshima und verursachte durch die Druckwelle und Hitze massive Zerstörungen. Aber der größte Teil der Strahlung wurde in die Atmosphäre gezogen, so dass nur eine minimale langfristige Kontamination des Bodens zurückblieb.“

Drei Tage nach der Bombardierung Hiroshimas, ließ US-Präsident Harry S. Truman am 9. August 1945 eine zweite Atombombe auf Japan abwerfen. Sie trug den Namen „Fat Man“. Der „Fette Mann“ explodierte in einer Höhe von etwa 500 Metern über Nagasaki und traf die Stadt und ihre Bewohner um 11 Uhr vormittags Ortszeit. Die Sprengkraft betrug rund 22 Kilotonnen TNT, was fast mehr als der Hälfte der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe entspricht. Etwa 22.000 Menschen starben am Tag des Angriffs, bis Ende 1945 waren es, unterschiedlichen Quellen zufolge, 70.000 bis 80.000 Tote.

Warum starben in Nagasaki wesentlich weniger Menschen als in Hiroshima, obwohl die zweite Bombe eine signifikant höhere Sprengkraft hatte? Online heißt es, der Grund liege hauptsächlich in der unterschiedlichen Topografie und Stadtstruktur. „In Hiroshima konnte der durch die Bombe verursachte Feuersturm über die flache Stadt mit ihren vielen Holz- und Lehmhäusern rasend schnell wüten. Nagasaki ist hingegen geographisch durch Hügel und Täler geprägt, was die Ausbreitung der Druckwelle und des Feuersturms erheblich behinderte.“

Nach den Abwürfen

Sechs Tage nach dem Bombenabwurf auf Nagasaki verkündete Kaiser Hirohito am 15. August 1945 die Beendigung des „Großostasiatischen Krieges“. Mit der Kapitulation Japans endete am 2. September der Zweite Weltkrieg auch in Asien, nachdem er in Europa bereits seit dem 8. Mai 1945 vorüber war.

Entwickelt wurden die Atombomben im Rahmen des Manhattan-Projekts. Der Physiker Robert Oppenheimer, der das militärische Forschungsprojekt in Los Alamos, New Mexico, wissenschaftlich leitete und als „Vater der Atombombe“ gilt, hat seine Mitarbeit öffentlich nie bereut. Er betrachtete sie vielmehr als notwendig, um der Bedrohung durch eine mögliche deutsche Atombombe zuvorzukommen. Nachdem er die Folgen der Atombombenabwürfe gesehen hatte, setzte Oppenheimer sich jedoch mit seiner Verantwortung auseinander. Er sprach sich zwar gegen die weitere Entwicklung nuklearer Waffen, insbesondere der Wasserstoffbombe, aus, betonte aber, dass er die Entwicklung der Atombombe selbst nicht bereute.

Die Längste Nacht in Hiroshima, ©Hiroshima Peace Memorial Museum

Anlässlich der 80. Jahrestage zeigt das Münchner Museum Fünf Kontinente bis zum 11. Januar 2026 die Ausstellung Vom Inferno zum Friedenssymbol. 80 Jahre Hiroshima und Nagasaki, die das Leid der einzelnen Menschen ins Zentrum rückt und ein Zeichen gegen den Einsatz von Nuklearwaffen setzen soll. Begleitend werden Sonntagsführungen angeboten.

Das Unrecht an Indigenen

Am 16. Juli 1945 wurde auf der Trinity Test Site in New Mexico die erste Atombombe der Welt gezündet. Sie veränderte nicht nur die Geschichte der Menschheit, sondern auch der Indigenen, die in diesem Gebiet lebten. Zwischen 1946 und 1958 führten die USA auf den Marshall-Inseln im Pazifischen Ozean 76 Atombombentests durch und siedelten dafür die gesamte Bevölkerung zwangsweise um. Auch auf dem eigenen Staatsgebiet wurden Indigene rücksichtslos den nationalen Interessen geopfert: „Der nukleare Alptraum für die Indigenen begann mit dem Uranabbau für die militärische und zivile Nutzung – im Südwesten der USA, in den Black Hills [South Dakota, Anm.] oder im Staat Washington“, schreibt die Aktionsgruppe Indianer auf Facebook. „1948 begann mit der Nevada Test Site die Zerstörung des Vertragslands der Western Shoshone. Über eintausend Atomtests verseuchten ihr Land – mit verheerenden Auswirkungen für Gesundheit und Leben der Indigenen.“

Zwischen 1951 und 1992 zündeten die USA in Nevada 928 groß angelegte Kernwaffen. Auf YouTube sind zwei Filme zu sehen, die die verheerenden Auswirkungen der Atombombentests nicht nur auf Indigene dokumentieren:
1. Downwind: The Dark Legacy of Nevada’s Bomb Tests (2023)
2. Downwinders and the radioactive West (2021)

Es waren allerdings vor allem indigene Aktivisten, die unermüdlich gegen das Vergessen kämpften und die Öffentlichkeit wach rüttelten, so dass die US-Regierung schließlich reagierte. „1990 wurde in den USA der Radioactive Compensation Act (RECA) ins Leben gerufen, mit dem die (vor allem indigenen) Arbeiter in den Uranminen im Südwesten der USA, aber auch die Betroffenen der Atomtests entschädigt werden sollten“, schreibt Monika Seiller von der Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte in ihrem aktuellen Newsletter. „Die Downwinders, die vom radioaktiven Fallout der Atomtests betroffen waren, erkrankten an Krebs – so wie viele Indigene, die der Radioaktivität in den Uranminen ausgesetzt waren. Mitte 2024 lief der RECA aus, und die Indigenen forderten eine Verlängerung. Überraschend wurde im Juli 2025 der RECA erneuert und sogar ausgeweitet, so dass nun auch Betroffene des ersten Tests auf der Trinity Site entschädigt werden können.“

Die Ausbeutung geht dennoch auch heute weiter. (Siehe Gastbeiträge und eigene Texte in diesem Blog.) 2024 etwa unterzeichnete der damalige US-Präsident Joe Biden den ADVANCE ACT, der der Kernenergie und dem Uranabbau neuen Auftrieb geben sollte. Eine vergleichbare Situation finde sich im Nachbarland Kanada, schreibt Monika Seiller: „Bis heute wird in der kanadischen Provinz Saskatchewan – dem Land der Cree und Dene – Uran abgebaut, u.a. waren deutsche Unternehmen beteiligt. Kanada ist der zweitgrößte Uranproduzent der Welt, doch die Auswirkungen auf die Indigenen werden ignoriert.“

Der Yamaki-Bonsai

Ein Zeichen für Zuversicht vielleicht: Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sind die bislang einzigen Einsätze von Atomwaffen in einem Krieg geblieben. Überlebt hat sie wundersamer Weise auch ein Bonsai-Baum, der im Jahr 1625 gepflanzt worden war und Masaru Yamaki gehörte. Der Bonsai-Meister befand sich, so das Smithsonian-Magazin, am 6. August 1945 in seinem Haus in Hiroshima, als die Druckwelle der Atombombe die Fenster zerbarst, und Glassplitter an Yamaki vorbeiflogen. Abgesehen von leichten Schnittwunden überlebten Yamaki und seine Familie die Explosion, ebenso wie ihre wertvollen Bonsai-Bäume, die durch eine hohe Mauer um die Baumschule geschützt waren. 1976 spendete Yamaki den Baum als einen von 53 Bonsais, die Japan den Vereinigten Staaten anlässlich ihrer Zweihundertjahrfeier schenkte. Seitdem lebt der inzwischen 400 Jahre alte Baum im Nationalen Arboretum in Washington D.C. – als ein Symbol des Friedens zwischen den beiden Ländern.

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