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Vermisste und ermordete indigene Frauen in den USA

Indigene Frauen in den USA werden wesentlich häufiger Opfer von Gewalttaten als der nationale Durchschnitt.

Spurensuche in einem der ärmsten Reservate der USA

Mord ist die dritthäufigste Todesursache von Indigenen in den USA. Vor allem werden viele Frauen ermordet oder als vermisst gemeldet. Die Gründe sind vielfältig. Alkohol und Drogen spielen fast immer eine Rolle. Auch Männer und Jungen werden Opfer. Besonders betroffen ist das bitterarme Pine Ridge Reservat im Bundesstaat South Dakota.

Vermisste und ermordete indigene Frauen, ORF Ö1, 30. November 2023

“Der Kerl läuft immer noch frei herum. Wir wollen, dass er für den Mord an Jessie zur Rechenschaft gezogen wird. Er muss irgendwie den Preis dafür zahlen.“

Raymond „Ray“ Fish Waters

„Obwohl es mir gesundheitlich nicht so gut geht, halte ich durch. Ich will nicht sterben, ohne zu wissen, was mit ihr passiert ist. Ich vermisse sie immer noch – jeden Tag.“

Lisa Lone Hill
Lisa Lone Hill ©Rebecca Hillaue

„Er hat mich von hinten gepackt und gewürgt, bis ich bewusstlos war. Zwei Stunden lang ging das so – den ganzen Weg. Sein Bruder ist gefahren, und sein fünfjähriger Neffe saß auf dem Beifahrersitz und hat alles beobachtet.“

Esther Wolfe
Esther Wolfe ©Rebecca Hillauer
Susan Shangreaux (r.) mit Kollegin Jackie ©Rebecca Hillauer

„Sie wurde von ihrem Mann verprügelt. Er überfuhr sie, als sie mit dem zweijährigen Baby auf dem Arm um Hilfe rannte. Sie war noch dazu schwanger. Er überfuhr sie ein zweites Mal und tötete alle drei. Der Mann ist immer noch auf freiem Fuß, weil das 1963 geschah und niemand sich darum kümmerte.“

„Dieses Mädchen wurde von ihrem Freund ermordet. Seine Kumpel wickelten ihre Leiche in eine Matratze, versuchten, sie zu verbrennen, und warfen sie dann in eine Mülltonne. Dort hat ihre Familie sie gefunden.“

„Diese hier wurde brutal vergewaltigt und zu Tode geprügelt – von einem Polizeiermittler, er ist Lakota.“

„Diese hier wird vermisst, sie ist erst 12 Jahre alt.“

„Oh mein Gott, es ist einfach eine Geschichte nach der anderen…“

Susan Shangreaux

„Ein Mann zu sein und Mut zu haben, das heißt in der Tradition der Lakota: aufstehen und Nein sagen.“

Milton Bianas
Milton Bianas ©Rebecca Hillauer
Tarah Weeks ©Rebecca Hillauer

„Man sollte besser Vermisste und ermordete indigene ‚Angehörige‘ sagen, denn in meinem Reservat etwa ist die Zahl der betroffenen Männer viel höher als die der Frauen.“

„Ich verwende den Begriff ‚Trauma‘ nur ungern, weil er meiner Ansicht nach überstrapaziert wird. Wir machen uns in unserem eigenen Kopf zum Opfer, indem wir es immer wiederholen: Trauma, Trauma. Es kann eine Entschuldigung dafür sein, sich nicht zu entwickeln.“

Tarah Weeks

Den Text meines Radiofeatures auf Englisch finden Sie hier auf dieser Website und auf meinem Substack blog.

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